Dominik Krause strahlt, Dieter Reiter ist wehmütig - und äußert sich zum Wesen der Demokratie. «Man darf sich seiner Macht und der Gunst der Wählerinnen und Wähler niemals zu sicher sein», sagt der langjährige Münchner Oberbürgermeister, den die Münchnerinnen und Münchner im März abgewählt hatten. Seit 1. Mai sitzt Krause auf dem Chefsessel, als erster Grünen-OB der bayerischen Landeshauptstadt - nun auch ganz offiziell mit goldener Amtskette, bei einer Feierstunde im Alten Rathaus persönlich umgehängt von SPD-Vorgänger Reiter.
«Veritable Haushaltskrise»
Der 35-jährige Krause dankte nun seinem Vorgänger, der insgesamt zwölf Jahre im Amt war. Er habe München als Oberbürgermeister gut geführt, auch durch «schwerste Krisen». Reiter habe eine Stadt übergeben, die «eine der schönsten und lebenswertesten ist, die es gibt».
Gleichzeitig befinde sich München «in einer veritablen Haushaltskrise», die im Grunde jeden Handlungsspielraum nehme, wenn man nicht massiv gegensteuere. «Jedes Jahr am Abgrund entlang hangeln und darum bangen, ob wir einen genehmigungsfähigen Haushalt hinbekommen, das darf kein Dauerzustand sein.» Krause stimmte die Stadt auf harte Einschnitte ein: rund eine halbe Milliarde Euro müsse man einsparen, allerdings bei guter Balance. Man dürfe niemanden im Stich lassen. Gleichzeitig brauche es weiterhin Investitionen, vor allem in bezahlbare Wohnungen, Schulen und Kitas, die Verkehrsinfrastruktur und die Kultur.
Gelbe Mango und rote Punkte
Trotz drohender Krisen und knapper Kassen herrschte eine fröhlich-gelassene Stimmung an diesem Vormittag, erst im Neuen Rathaus, wo Grüne, SPD, FDP, Freie Wähler und Rosa Liste den Koalitionsvertrag unterschrieben. Danach auch im prächtigen Saal des Alten Rathauses, wenige Schritte über dem Marienplatz. In seiner konstituierenden Sitzung wählte der Stadtrat die Grünen-Politikerin Mona Fuchs zu Krauses Stellvertreterin als zweite Bürgermeisterin und Verena Dietl (SPD) zur dritten Bürgermeisterin.
Unter welchem Namen die Fünfer-Koalition künftig auftritt? «Durchgesetzt hat sich bisher die Mango», meint Krause. Dem Münchner SPD-Chef Christian Köning (SPD) mundet das «Flugobst» nicht ganz. Das könne schnell anfangen, zu faulen, findet er. Und wenn schon Mango, dann nur mit roten Punkten - die trügen dazu bei, dass die Frucht genießbar werde.