Markus Söder redet bei der CSU-Parteivorstandssitzung nicht lange drumherum. «Der heutige Vorstand war gut, er war offen - jeder hat das gesagt, was ihn beschwert», berichtet der CSU-Chef in der CSU-Zentrale in München. «Da musste mal manches ausgesprochen werden von dem einen oder anderen.» Söder präsentiert - als Folge all dessen - schließlich ein Zehn-Punkte-Programm, mit dem er eine neue Einigkeit in der CSU erreichen will: Ziel sei es, «die Partei mitzunehmen, sie zu motivieren und auch besser zu organisieren». Und dann, am Ende, hat er eine Hoffnung: «Ich glaube, wir schöpfen aus dem heutigen Tag einfach tatsächlich neue Kraft und - ich hoffe - auch neue Einigkeit.»
Söder will mehr Staatsmann sein
Söder blieb die Kritik nicht verborgen. Auch nicht der wachsende Unmut an seinen Social-Media-Aktivitäten, quasi zwischen Dönern und Gesangseinlagen. Und er reagierte: Mehr Staatsmann, mehr Inhalte statt Show - das ist der Kurs, den der bayerische Ministerpräsident seit einigen Wochen fahren will.
Und dann kam der Pfingstbrief von CSU-Vize Manfred Weber: In dem an zahlreiche Mandatsträger verschickten Brief forderte der Europapolitiker kurz gesagt eine ernsthaftere Politik und mehr Gemeinsinn. «Es waren die besten Jahre für die CSU, als wir nicht dem Zeitgeist gefolgt sind, sondern unseren Überzeugungen», hieß es in dem fünf Seiten langen Brief. Und dass man neues Gemeinschaftsgefühl weder mit Schlagzeilen noch mit Klickzahlen erreichen könne, sondern nur mit Kreativität, Mut und Ideen. Von weiten Teilen der Partei wurde das Ganze als Frontalangriff auf Söder persönlich gewertet.
Klarheit in vielerlei Hinsicht
Die CSU-Vorstandssitzung sorgt nun in mehrerlei Hinsicht für Klarheit. Erstens: Söder hat auch weiterhin den Rückhalt des CSU-Vorstands, nicht nur der vorderen Hälfte des Saals, wo in der Sitzung die Minister und die wichtigen Mandatsträger sitzen. Zweitens: Auch Weber hat einige Unterstützer für seine Forderungen nach einem neuen Kurs. Drittens: Webers Brief-Form, noch dazu zu diesem kritischen Zeitpunkt, halten die allermeisten für unglücklich. Landtagsfraktionschef Klaus Holetschek und der Vorsitzende der CSU im Bundestag, Alexander Hoffmann, werden da sehr deutlich. Als «Irritation» sei der Brief empfunden worden, als «maximal verunglückt», so sagt es Hoffmann.
Weber wurde von Söder - anders als Holetschek und Hoffmann - nicht zur Pressekonferenz geladen. Zudem musste er früher wegen eines Termins in Straßburg los. Weber hatte in der Sitzung nach Teilnehmerangaben aber seine Forderung bekräftigt, dass es kein einfaches Weiter-so geben könne.