Die Deutsche Telekom will im großen Stil in den Aufbau und Betrieb von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) einsteigen. Konzernchef Timotheus Höttges kündigte bereits im vergangenen November den Start eines Gemeinschaftsprojektes mit dem US-Chipkonzern Nvidia in München an. Drei Monate später ist es so weit. Gemeinsam mit Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) wird der Telekom-Chef das neue KI-Rechenzentrum eröffnen.
Wie viel Geld steckt die Telekom in das Projekt?
Das Cloud-Rechenzentrum für Künstliche Intelligenz erfordert eine Investition von rund einer Milliarde Euro. Dafür werden 10.000 Grafikprozessoren von Nvidia angeschafft. Die Telekom stößt damit in Deutschland in die Spitzenliga der Rechenzentren vor. Zum Vergleich: Deutschlands größter Supercomputer Jupiter, der im Forschungszentrum in Jülich steht, verfügt über 24.000 Grafikprozessoren.
Warum vergingen nach der Ankündigung nur drei Monate bis zum Start?
Die Telekom baut nicht auf der grünen Wiese, sondern zieht in ein komplett renoviertes, vorhandenes Rechenzentrum in München ein, das früher von der Hypovereinsbank betrieben wurde. Von außen ist wenig zu sehen, da sich das Rechenzentrum über sechs unterirdische Stockwerte hin erstreckt. Das Gebäude gehört zum Büroquartier Tucherpark, das in den 60er Jahren direkt am Rande des Englischen Gartens errichtet wurde.
KI-Chips entwickeln eine enorme Hitze. Was passiert mit der Wärme?
Es stimmt: KI-Chips, insbesondere die Blackwell-GPUs von Nvidia, werden extrem heiß. Die Telekom wird zur Kühlung das kalte Wasser des direkt anliegenden Eisbachs verwenden: Die im Rechenzentrum entstehende Abwärme soll nicht nur einfach in das Bachwasser geleitet werden. Es gibt Pläne, diese Energie in das lokale Fernwärmenetz einzuspeisen, um das umliegende Quartier im Tucherpark zu beheizen. Details zur Nachhaltigkeit des Abwärmekonzeptes werden auf einer Pressekonferenz am Mittag erwartet.
Warum hat sich die Telekom für den Standort München entschieden?
Die Wahl fiel auf München, da hier die Dichte an potenziellen Industriekunden hoch ist. Telekom-Kunden und Partner wie Airbus, BMW, das KI-Unternehmen Perplexity oder Siemens sowie etliche Robotik-Start-ups wie Agile Robots benötigen geringe Datenlaufzeiten (Latenz) für ihre Anwendungen. Durch die Platzierung der Rechner mitten in der Stadt – und nicht in einem entfernten Gewerbegebiet – kann die Telekom die Ansprüche der Unternehmen erfüllen.
Ist der Wettbewerb mit großen US-Anbietern nicht wie ein Kampf zwischen David und Goliath?
Auf den ersten Blick wirkt die Marktstellung der US-Giganten wie AWS (Amazon), Azure (Microsoft) oder Google Cloud erdrückend. Die großen US-Konzerne investieren jährlich ein Vielfaches von dem, was die Telekom in die Hand nehmen kann. Trotzdem hat die Telekom im Wettbewerb eine Chance. Das liegt in der Tatsache begründet, dass der Bonner Konzern sich eine lukrative Nische im Cloud-Geschäft ausgesucht hat, nämlich das Bereitstellen von Hochsicherheitsrechenzentren in der Nähe der Industriebetriebe.
Profitiert die Telekom vom Standort Deutschland?
Ja und nein. Zum einen muss die Telekom in Deutschland mit höheren Kosten leben - vor allem für die Energieversorgung. Allerdings kann sie hier das Stichwort «Datensouveränität» zum Geschäftsmodell aufwerten. Viele deutsche Unternehmen zögern nämlich, ihre sensiblen Daten in Cloudspeichern von US-Anbietern abzulegen. Die Telekom bietet hier eine «Souveräne Cloud» an, bei der die Daten physisch in Deutschland bleiben und unter europäischen und deutschen Recht stehen. Bei den US-Anbietern dagegen besteht durch Gesetze wie den «US Cloud Act» zumindest theoretisch die Option eines Zugriffs durch US-Behörden.
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