Trotz Kritik und Protesten hat in Tschechien das traditionelle Pfingsttreffen der Sudetendeutschen begonnen. Der sogenannte Sudetendeutsche Tag findet in diesem Jahr erstmals in der nach dem Zweiten Weltkrieg verlorenen Heimat statt. Bei einem Begegnungsfest im Stadtzentrum von Brünn (Brno) trafen sich Vertriebene und Tschechen an einem langen Tisch bei Musik und Tanz. «Für mich ist das der größte Tag seit der Wende», sagte ein Teilnehmer, selbst Sohn eines Tschechen und einer Deutschen.
Die Eröffnungsveranstaltung in Kooperation mit dem Dialogfestival «Meeting Brno» fand unter starken Sicherheitsvorkehrungen statt. Nur wenige Dutzend Meter entfernt hielten Gegendemonstranten ein Spruchband mit der Aufschrift «Gegen eine weitere Aufweichung der Benes-Dekrete» hoch. Die Präsidentendekrete bildeten nach dem Zweiten Weltkrieg und den Schrecken der Nazi-Besatzung die Grundlage für die Vertreibung von rund drei Millionen Deutschen aus der damaligen Tschechoslowakei.