Mit «Barbara» fing alles an. So hieß der mobile Sender, mit dem Radio Freies Europa vor 75 Jahren sein erstes Testprogramm ausstrahlte. Verteilt auf sieben Lastwagen war im hessischen Lampertheim alles versammelt, was man brauchte, um die Hörer Hunderte Kilometer weit weg, hinter dem Eisernen Vorhang, zu erreichen. Am 4. Juli 1950 konnten Tschechen und Slowaken erstmals ein halbstündiges Programm empfangen, das eine Alternative zum staatlichen sozialistischen Rundfunk bieten wollte. Später folgten Testsendungen für Rumänen, Ungarn, Polen und Bulgaren.
Große Bedeutung im Wendejahr 1989
Viele Beobachter wundern sich darüber, dass die US-Regierung freiwillig auf ein solches Mittel der «Soft Power» verzichten will. «Soft Power» - das ist die Durchsetzung eigener Interessen allein durch Überzeugungs- und Anziehungskraft. Der Prager Publizist Petr Brod stieß 1987 zu Radio Freies Europa, kurz vor dem Zusammenbruch der sowjetischen Vorherrschaft in Ostmitteleuropa im Wendejahr 1989. «Wir hatten großen Einfluss - auch, weil wir die Petitionen der Opposition verbreiteten», sagt er rückblickend.
Man wollte eine vollwertige Alternative zu den Staatssendern des Ostblocks bieten. «Wir hatten Sendungen für alle möglichen Schichten der Bevölkerung», berichtet Brod - von landwirtschaftlichen Programmen für Traktoristen bis hin zu Musiksendungen für die Jugend. «Die Dissidenten telefonierten mit uns offen, auch Vaclav Havel», erinnert sich Brod. Die Vorgesetzten aus Washington hätten nicht bis ins Detail Vorgaben gemacht. Doch habe man sich an die großen Richtlinien der amerikanischen Außenpolitik halten müssen.