Wenn es richtig kalt wird, hat das für den Bodensee einen positiven Effekt: Erst wenn das Wasser im Winter ausreichend abkühlt, kann sich der See komplett durchmischen. Dieser natürliche Austausch ist zentral für das ökologische Gleichgewicht, wie eine Expertin der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg erklärt.
Bei dieser sogenannten vertikalen Durchmischung sinke sauerstoffreiches Wasser in die Tiefe, während gleichzeitig nährstoffreiches Tiefenwasser nach oben steige. Davon würden Fische und andere Lebewesen profitieren, denn sie seien auf frischen Sauerstoff angewiesen.
Der Kreislauf startet bei vier Grad
Im Winter kühle sich das Oberflächenwasser allmählich ab. Sobald es etwa vier Grad erreiche – die Temperatur, bei der Wasser seine höchste Dichte hat – beginne es, nach unten zu sinken. Die Schichtung des Sees werde durchbrochen, und es beginne ein Austausch über mehrere Ebenen hinweg. Das sei essenziell: Nur so gelange Sauerstoff in die Tiefe und Nährstoffe zurück ans Licht.
Doch genau dieser Prozess gerate ins Wanken: «Durch den Klimawandel nehmen milde Winter am Bodensee zu», so die Expertin weiter. In manchen Jahren reiche die Abkühlung nicht mehr aus, um eine vollständige Umwälzung bis zum 251 Meter tiefen Grund des Obersees auszulösen.
Fehle der Sauerstoff, leide das Ökosystem. Plankton etwa – das wichtige Glied in der Nahrungskette – wachse schlechter, weil weniger Nährstoffe zirkulierten. Zudem könnten sich bei Sauerstoffmangel aus dem Seeboden problematische Stoffe lösen, die die Wasserqualität beeinträchtigen.
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