Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) ist mit Lügenvorwürfen konfrontiert - und das wenige Tage vor der Kommunalwahl, bei der er sich zur Wiederwahl stellt. Kern des Streits ist seine Nebentätigkeit im Aufsichtsrat des FC Bayern und die Frage, ob der Kommunalpolitiker den Münchner Stadtrat bei der Übernahme des Amtes übergangen hat. ÖDP und Die Linke werfen Reiter nun vor, in der Vollversammlung die Unwahrheit gesagt zu haben, was der 67-Jährige empört zurückweist.
Liste beim Amtsgericht
Tatsächlich liegt am Amtsgericht München, wo der FC Bayern im Handelsregister eingetragen ist, eine erst kürzlich vom Verein eingereichte neue Aufsichtsrats-Liste vor, wie im Register einsehbar ist. Auf dieser ist Reiter bereits vermerkt. Datiert ist die Liste auf den 23. Februar. Als «Bekanntmachungsdatum» der eingereichten Liste hat das Handelsregister den 4. März vermerkt.
Die ÖDP wirft dem Oberbürgermeister deshalb vor, nicht die Wahrheit gesagt zu haben. «Er hat heute alle belogen und behauptet, er sei nur als Gast bei der Aufsichtsratssitzung der FC Bayern AG dabei gewesen. Der FC Bayern hat ihn allerdings beim Amtsgericht bereits als Aufsichtsratsmitglied benannt», sagte der Vorsitzende der ÖPD-Fraktion, Tobias Ruff.
Die Fraktion von Die Linke und Die Partei sieht «eine Verletzung des Beamtenrechtes»: «Dieter Reiter ist Teil des Aufsichtsrates der FC Bayern München AG und hätte dementsprechend den Stadtrat damit befassen müssen.»
«Beispiellose Klüngelei»?
«Der Stadtrat hätte vor der Aufnahme einer solchen Nebentätigkeit befasst werden müssen», betonte auch Ruff und warf anderen Parteien «beispiellose Klüngelei» vor.
Mit der Mehrheit von SPD, CSU und FDP waren Dringlichkeitsanträge abgelehnt worden, wonach der Stadtrat sich noch vor der Kommunalwahl an diesem Sonntag mit der Thematik befassen hätte sollen. Jetzt soll das erst in der nächsten oder übernächsten Vollversammlung Thema werden. «Es wäre schon sinnvoll, abzuwarten, ob nicht jemand von Ihnen Oberbürgermeister ist», sagte Reiter, der sich auf Anfrage zunächst nicht zu dem Lügenvorwurf äußerte.