Dieter Reiter sieht mitgenommen aus, als er vor die Presse tritt. Der Münchner SPD-Oberbürgermeister, der seit mehr als einer Dekade völlig unangefochten im Amt war, muss ein Wahlergebnis kommentieren, das bis vor zwei Wochen noch undenkbar erschien: Bei 35,6 Prozent der Stimmen steht er im ersten Wahlgang - und damit mehr als zwölf Prozentpunkte unter seinem Ergebnis von 2020.
Während bei den Münchner Sozialdemokraten entsprechende Schockstarre herrscht, jubeln wenige Kilometer entfernt auf ihrer Wahlparty die Grünen. Denn ihr Kandidat Dominik Krause - 32 Jahre jünger als Reiter - schafft etwas Historisches: Mit 29,5 Prozent der Stimmen zwingt er den Amtsinhaber in die Stichwahl am 22. März.