Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder sagt es immer wieder deutlich: «Es ist ganz klar, dass die AfD für uns nicht irgendein Wettbewerber ist, sondern der Systemfeind.» Die Brandmauer als Abgrenzung zu den Rechtspopulisten stehe, beteuert der CSU-Chef bei jeder Gelegenheit - und zwar auf allen politischen Ebenen: Europa, Bund, Land und Kommunen. Doch scheint die Botschaft des Vorsitzenden nicht überall in seiner Partei gehört zu werden. In Oberfranken haben CSU-Politiker - noch dazu ohne jede Not - jene vieldiskutierte Brandwand zumindest bei einer Gelegenheit eingerissen.
«Aufregung der Brandmauerfetischisten»
Während die CSU-Landesleitung auch mehr als einen Monat nach der Verleihung der Medaillen und mehr als ein halbes Jahr nach der fraglichen Bezirkstagsentscheidung weiter beteuert, das Abstimmungsverhalten ihrer Bezirksräte nicht zu kennen, jubiliert man bei der AfD. «Ich jedenfalls finde es gut, dass in dieser Frage die Brandmauer letztlich nicht zum Tragen kam. Die Aufregung der Brandmauerfetischisten gehört ja vielleicht in die Zeit des letzten Aufbäumens, bevor diese Mauer einfällt», sagte Michael Genniges auf dpa-Anfrage.
Die Grünen, die mit ihren beiden Stimmen ebenso wie die SPD im Bezirkstag gegen die Personalie votiert hatten, halten das Ganze für einen Skandal. Die «völkisch-nationale AfD» werde auf diese Weise normalisiert. Ehrungen für verdiente Persönlichkeiten seien nur zu unterstützen, sagte der Grünen-Bezirksrat Wolfgang Grader. «Wer aber seine Zeit und Energie nun in eine Partei steckt, die offen unseren Rechtsstaat untergräbt, der disqualifiziert sich für eine solche Ehrung.»