Markus Söder zur Musik von Darth Vader, ein singender SPD-Regierungschef Andreas Bovenschulte aus Bremen und ein grüner Parteichef in bayerischer Tracht: Knapp vier Monate nach Amtsantritt der neuen Bundesregierung buhlten die Parteien beim politischen Frühschoppen auf dem Gillamoos-Volksfest in Niederbayern um die Aufmerksamkeit von Zuhörern und Wählern. Dabei zeigte sich: Die Polarisierung unter den Parteien geht ungebremst voran und die AfD strotzt angesichts ihres Umfragehochs weiterhin vor Selbstbewusstsein.
AfD
AfD-Chef Tino Chrupalla orakelte in seiner Rede dagegen von einer unaufhaltsamen Regierungsübernahme seiner Partei. Wenn nicht schon nächstes Jahr in Sachsen-Anhalt, dann 2029 auf Bundesebene, sagte er. «Wir werden wieder dieses Schiff auf Vordermann bringen.» Die AfD habe die Lösungsvorschläge und Inhalte, die die Bürger hören wollten.
Chrupalla lästerte zudem über den «Ober-Komiker Söder» in München, und der zweite sei Kanzler Friedrich Merz (CDU). Da habe ja der einstige SED-Chef Erich Honecker in der DDR bessere Beliebtheitswerte gehabt. Merz habe jedes Wahlversprechen gebrochen, etwa in der Steuerpolitik.
Bayerns AfD-Landtagsfraktionschefin Katrin Ebner-Steiner fiel einmal mehr mit sehr drastischen Aussagen auf. Sie forderte Abschiebungen bis die Startbahnen am Münchner Flughafen «glühten». Sie beklagte zudem einen angeblichen «Überwachungs- und Bevormundungsstaat».
SPD
Die SPD schickte mit Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte einen Neuling ins Rennen. Der Bremer nutzte die Bühne für massive Kritik an Kanzler Merz. Dessen Aussagen zum Geldmangel im Sozialstaat seien Unfug. Gemessen an der Wirtschaftskraft werde nicht mehr Geld für den Sozialstaat ausgegeben, als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Um Tatsachen gehe es aber schon lange nicht mehr.
«Wir müssen und wir werden den Sozialstaat verteidigen - mit Klauen und mit Zähnen. Das sind wir den Menschen schuldig», sagte Bovenschulte. Auch Söders Kritik am Länderfinanzausgleich wies er zurück. In Bremen sei die Steuerkraft so schwach, weil viele Pendler aus den angrenzenden Bundesländern nicht in der Hansestadt zahlten.
Bovenschulte rief zum Widerstand gegen die AfD auf. Diese lebe davon, dass die Grenze zwischen konservativ und rechtsradikal immer mehr verschwinde. «Ich sage es mal so: Die AfD ist wie Schimmel. Sobald es ein bisschen feucht wird, breitet sich der Schimmel aus. Und wenn man mit rechten Hetzern paktiert, dann wird es nicht nur ein bisschen feucht, dann steht das ganze Haus unter Wasser.»
Und dann gab Bovenschulte gar noch eine Gesangseinlage - «We will rock you» von Queen - und bedankte sich für die Einladung in den Süden. «Wir Bremer mögen die Bayern sehr», sagte er. Und nach kurzer Pause: «wenn's nicht gerade um Fußball oder politische Mehrheitsverhältnisse geht».