Der Musiker Karl Bartos ist mit dem Projekt «Das Cabinet des Dr. Caligari» auf Konzertreise. Ein Stummfilm-Erlebnis für die Augen und eben auch für die Ohren: Denn während auf Großleinwand die digital restaurierte 4K-Fassung des Klassikers flimmert, steuern Bartos und der Musiker Mathias Black live und punktgenau den Soundtrack bei. Musik, die in kein herkömmliches Genre passt, aber offenbar den Nerv der Zeit trifft. Immerhin eroberte das gleichnamige Album die Top 10 der deutschen Album-Charts.
Für den studierten Musiker und ehemaligen Kraftwerk-Mitstreiter Karl Bartos war die Vertonung von «Das Cabinet des Dr. Caligari» unausweichlich. Schon früh im Leben sei er mit dem düsteren Stoff aus dem Jahr 1920 in Berührung gekommen und so richtig habe ihn der Horrorfilm über einen Schlafwandler nicht losgelassen, erzählte er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.
War der Soundtrack dieses expressionistischen Meilensteins der Filmgeschichte also logische Konsequenz? «Ich würde fast sagen, es hat etwas mit Liebe zu tun», schwärmte Bartos. «Liebe lässt sich nicht erklären, sie ist einfach da.» Drei Jahre lang habe er an dem Projekt gearbeitet – mit technischer Unterstützung des Ingenieurs Mathias Black. Mit musikalischen Mitteln machten sie das Gelächter der Menschen, die Fußtritte, das Knarren der Türen oder das Geschepper des Geschirrs hörbar.