Wer braucht noch Schauspieler und Regisseure? Gegen Ende der Uraufführung von Elfriede Jelineks Stück «Unter Tieren» bei den Salzburger Festspielen tun sich auf der Bühne große Löcher auf, die das Ensemble binnen weniger Augenblicke verschlucken. Dann übernimmt Künstliche Intelligenz live das Ruder: KI-Modelle debattieren über das Regiekonzept und erstellen Bild- und Tonprojektionen, die ohne Darsteller aus Fleisch und Blut auskommen. Ab September ist die Koproduktion am Wiener Burgtheater zu sehen.
Menschen haben in diesem Werk der 79 Jahre alten Literaturnobelpreisträgerin ohnehin nichts mehr zu sagen: In ihrem letzten Stück würden nur noch Tiere sprechen, sagte die öffentlichkeitsscheue österreichische Autorin in einer kurzen Botschaft, die Regisseur Nicolas Stemann auf der Bühne vorliest. Indem Stemann am Ende des fast vierstündigen Abends die KI an die Stelle von Lebewesen setzt, treibt er Jelineks Idee auf die Spitze.