Als Wolfgang Amadeus Mozarts «Hochzeit des Figaro» am 1. Mai 1786 im Wiener Burgtheater uraufgeführt wurde, war das ein Skandal. Adels-Bashing drei Jahre vor der Französischen Revolution - das galt dem ein oder anderen als ziemlich gefährlich. Oper war Stadtgespräch, Oper war politisch, und noch heute dürfte kein Opernhaus, das etwas auf sich hält, dauerhaft ohne Mozarts berühmtes Werk auskommen.
Wenn die Bayerische Staatsoper nun an diesem Sonntag die neu komponierte Oper «Of One Blood» über die Königinnen Mary Stuart und Elizabeth I. zum allerersten Mal auf die Bühne bringt, dann dürfte - soviel spekulative Prophezeiung sei erlaubt - ein Aufschrei wie der von 1786 in Wien wohl ausbleiben.
Und ob den Komponisten Brett Dean und die Librettistin Heather Betts in 240 Jahren noch jemand kennt und die großen Opernhäuser ihr Werk dann noch spielen, das muss sich zumindest erst noch zeigen - immer vorausgesetzt, es gibt in zwei Jahrhunderten überhaupt noch so etwas wie Theater.
«Ich bin ganz hoffnungsvoll, dass unsere Oper ein Werk ist, das die Aufmerksamkeit von Opern-Liebhabern auf sich ziehen kann», sagt Dean, ein 64 Jahre alter Komponist aus Australien, der Deutschen Presse-Agentur vor der Uraufführung seines Werkes in München.