War sie Täterin? Oder selbst Opfer? Im Münchner Prozess um die Versklavung zweier jesidischer Mädchen im Irak schweigt die Angeklagte weiter – dafür spricht einer ihrer Angehörigen. Der Onkel der 29-Jährigen berichtete vor dem Oberlandesgericht (OLG) München, seine Nichte sei von ihrem Vater, einem Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), zur Heirat mit einem anderen IS-Mitglied gezwungen worden. «Ihr Vater ist schuld an ihrem Schicksal», sagte er. «Ihr Vater war ein gefährlicher Mann.»
Ihr Mann habe sie dann ebenfalls bedroht. «Alle anderen IS-Männer haben ihre Frauen untereinander ausgetauscht», soll der Ehemann gesagt haben, wie die Angeklagte ihrem Onkel berichtet habe. «Sie solle froh sein, dass er das nicht macht.»
Außerdem habe sie gesehen, wie er zwei jesidische Mädchen vor ihren Augen vergewaltigte. «Sie hat gesagt, ich konnte nichts machen, weil der Ehemann sagte: "Ich bringe Dich um"», sagte der Onkel.
Die Frau ist gemeinsam mit ihrem 43 Jahre alten Ehemann, der einst aus München in den Irak ausgereist war, angeklagt. Dort heirateten die beiden.