Ein halbes Jahr nach dem Beginn der Bohrung nach Erdgas im oberbayerischen Reichling sind behördliche Zweifel am Notfallkonzept für den Trinkwasserschutz und Sorgen wegen Schadstoffen bekanntgeworden. Dies geht aus einem Schreiben des Wasserwirtschaftsamtes Weilheim an das Bergamt Südbayern hervor, welches der Deutschen Presse-Agentur in München vorliegt. Demnach muss aufgrund von gemessenen Proben davon ausgegangen werden, dass die Grundwasser-Fließgeschwindigkeit vor Ort mindestens dreimal so hoch ist wie bisher angenommen. Dadurch könnten Verunreinigungen deutlich schneller vom Bohrplatz bei der Trinkwasserquelle ankommen.
Ursprünglich hatte es immer geheißen, dass die Fließgeschwindigkeit des Grundwassers etwa einen Meter pro Tag betrage. Da die Quelle etwa 720 Meter von der Bohrstelle entfernt ist, war man davon ausgegangen, dass eventuelle Schadstoffe rund zwei Jahre brauchen würden, um dorthin zu gelangen. Über die Unstimmigkeiten berichtete auch das «Landsberger Tageblatt».
Das Wasserwirtschaftsamt hat aber nun massive Zweifel daran: «Bei allen Abschätzungen ist die Grundwasserfließgeschwindigkeit mindestens um den Faktor 3 höher als im Trinkwassernotfallkonzept angenommen», heißt es im Schreiben. Dadurch verringere sich die angenommene Reaktionszeit «möglicherweise auf nur wenige Monate».