Schmetterlingsexpertin Annette von Scholley-Pfab hat seit 17 Jahren Tagfalter in einem bestimmten Gebiet im Blick - und in diesem Jahr zählte sie dort so wenige wie noch nie. Im Rahmen des deutschlandweiten Tagfalter-Monitorings vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung beobachtet sie von April bis September im Wochenrhythmus tagaktive Schmetterlinge. Seit 17 Jahren läuft Scholley-Pfab durch ihr Beobachtungsgebiet im grünen Münchner Süden. Was wir gerade erlebten, sei «das größte Artensterben seit den Dinosauriern», so Scholley-Pfab.
Zahlreiche bedrohte Arten
Insgesamt zählte sie in diesem Jahr so wenige Schmetterlinge wie noch nie, sagt Annette von Scholley-Pfab. Manche Bläulings-Arten seien in ihrem Bereich vom Aussterben bedroht. Seit sie vor mehr als 15 Jahren begonnen habe, seien zwei Arten in ihrem Beobachtungs-Areal ausgestorben: Kronwicken-Dickkopffalter und Rotbraunes Wiesenvögelchen.
Dass «2024 kein gutes Jahr für Schmetterlinge ist», deckt sich mit den ersten Rückmeldungen des Landesbundes für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV). Arten wie Mädesüß-Perlmuttfalter, Perlbinde und Zwergbläuling würden seit Jahren weniger und heuer kaum beobachtet, sagt Expertin Elisa Treffehn vom LBV.
Die aktuellsten veröffentlichten Zahlen des Tagfalter-Monitorings stammen von 2022. Insgesamt 227.531 Individuen sind laut oedippus, dem Jahresbericht des Tagfalter-Monitorings Deutschland, in jenem Jahr gezählt worden - weniger als in den Vorjahren (2021: 236.220). Ein Grund für den Rückgang vieler Falterarten sei der fehlende Lebensraum. Der übermäßige Eintrag von Stickstoff aus Landwirtschaft und Straßenverkehr sei ein wichtiger Grund, so Treffehn.
Auch viel und heftiger Regen wirke sich auf die Fortpflanzung von Insekten aus. Scholley-Pfab berichtet, sie habe von Kollegen in Sachsen gehört, dass dort infolge von Hochwasser eine Art ausgestorben sei. In ihrem Gebiet, das nahe einer Gleisstrecke liegt, spiele das keine große Rolle, da in München das Wasser nur leicht über die Ufer der Isar getreten sei.