Vincent Kompany quittierte die lobenden Worte aus der Chefetage bei seinem Willkommens-Bankett mit einem kurzen Lächeln. Trotz der gerissenen Erfolgsserie fiel die Bilanz der ersten knapp 100 Tage unter dem Belgier bei gedämpftem roten Licht höchst positiv aus. «Wir sind froh, dass du bei uns bist. Wir sind froh, über die Art, wie wir wieder Fußball spielen, dass wir Freude am Spiel haben, dass wir alle an der Säbener Straße spüren, dass die Mannschaft Spaß hat aneinander», sagte Vorstandschef Jan-Christian Dreesen an «einem traurigen, bitteren Abend». Der neben ihm sitzenden Kompany schaute ihn aufmerksam an und durfte sich über aufmunternden Beifall freuen.
«Ausnahmsweise bisschen Kummer»
«Vincent, wir sind sicher, dass deine Art zu spielen, dass deine Ansprache, das Miteinander mit den Spielern uns nur heute ausnahmsweise mal ein bisschen Kummer bereitet», sagte Dreesen im legendären Golf-Hotel The Belfry, in dem viermal um den Ryder Cup gekämpft wurde.
«Wir haben trotzdem, denke ich, einen sehr erfreulichen Saisonstart gehabt und ich bin sicher, dass wir mit dieser Mannschaft am Sonntag ein neues, ein wieder frisches und erfolgreiches Gesicht werden sehen können», sagte Dreesen über den riskanten Kompany-Fußball.
Im fein eingedeckten Saal «The Warwick» ließen sich Edelfans Austern oder Rinderlende mit Yorkshire Pudding schmecken. Dabei konnte ausgiebig gefachsimpelt werden, wie groß Neuers Schuld am Gegentor durch Joker Jhon Duran war. «So ein Treffer gehört zum kalkulierten Risiko dazu», sagte der ehemalige Nationaltorhüter, der sich ein paar nächtliche Pommes gönnte. «Das ist unser Spiel. An dem wird sich auch nichts ändern», sagte Neuer. «Also ich weiß jetzt nicht, ob der Trainer jetzt etwas anders fordert nach dem Tor.»
Der Trainer nahm sich bei der Bankett-Premiere viel Zeit für Sponsoren, Club-Mitarbeiter oder Nachwuchsspieler, ging von Tisch zu Tisch. Kompany habe «in den letzten Spielen viel Freude bereitet» und werde das auch wieder machen, versicherte Dreesen.
Eine Lehre klang unisono bei allen Protagonisten heraus: Bei dem mutigen Pressing-Spiel muss von allen stets das Maximum her. «Wenn wir in der Art und Weise, wie wir Fußball spielen wollen, erfolgreich sein wollen, muss jeder von uns bei 100 Prozent sein», sagte Mittelfeldchef Joshua Kimmich.