Lange widersetzte sich Tschechien dem europäischen Trend - doch nun kämpft der EU-Mitgliedstaat mit einem dramatischen Geburtenrückgang. Im vorigen Jahr wurden rund 77.600 Kinder lebend geboren, wie die staatliche Statistikbehörde CSU mitteilte. Das sei die niedrigste Zahl in einem Jahr seit Beginn der Erhebungen 1785 - also noch zu Zeiten des Königreichs Böhmen - gewesen. Derzeit bekomme eine Frau in Tschechien im Schnitt 1,28 Kinder.
Schwache Elternjahrgänge
Noch im Jahr 2021 waren rund 111.800 Kinder lebend zur Welt gekommen, also fast ein Drittel mehr als 2025. Ein Grund für den starken Rückgang sei, dass schwache Jahrgänge ins Elternalter kämen, hieß es. Das Durchschnittsalter der Mütter bei der Geburt ihrer Kinder habe sich auf 30,6 Jahre erhöht. Am meisten Kinder bekamen den Angaben zufolge die Frauen in der Verwaltungsregion Vysocina in der Mitte des Landes. Am wenigsten Kinder pro Frau wurden in Prag und der Karlsbader Region geboren.
Hohe Inflation sorgt für Unsicherheit
Wirtschaftliche Faktoren würden zur Unsicherheit potenzieller Eltern beitragen, sagte die Ökonomin Klara Kaliskova dem Nachrichtenportal Seznam.cz: «Seit mehreren Jahren ist die Inflation so hoch, wie wir es seit langem nicht mehr erlebt haben.» Hinzu kämen die Folgen der Corona-Krise und des Krieges in der Ukraine. Nicht zu vernachlässigen sei zudem, dass sich die Werte und Prioritäten der neuen Generationen ändern würden.
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