Vor der Schmiererei auf einem Hinweisschild zum Freitagsgebet der islamischen Gemeinde Penzberg hat es nach Angaben des dortigen Imams bereits Drohungen gegeben. «Darunter fanden sich zahlreiche hasserfüllte Beiträge und auch Aussagen, wonach das muslimische Hinweisschild bald "Geschichte" sein werde», teilte Benjamin Idriz mit. «Vor diesem Hintergrund liegt die Vermutung nahe, dass die Beschädigung gezielt aus Ablehnung gegenüber dem Schild erfolgt ist.» Ob dies tatsächlich so ist, müssten die Ermittlungen zeigen.
Hinweise auf Gottesdienste
Die oberbayerische Stadt hatte kürzlich an einer Zufahrtsstraße ein Schild angebracht, das auf das Freitagsgebet der islamischen Gemeinde hinweist. Zuvor hatte es nur Schilder mit Informationen zu den Gottesdiensten der katholischen und der evangelischen Gemeinde gegeben.
Täter bisher unbekannt
Nach Polizeiangaben war das Schild zum Freitagsgebet in der Nacht von Freitag auf Samstag von einem oder mehreren Tätern mit schwarzer Farbe besprüht worden. Ermittelt werde wegen Sachbeschädigung, Zeugen sollen sich mit Hinweisen bei der Polizei melden.
Dem Imam zufolge hatte ein Mitglied der islamischen Gemeinde die Schmiererei entdeckt. Bevor das Schild aufgestellt worden sei, habe es «massive Anfeindungen» gegen das Projekt gegeben. «Allein auf unseren Facebook-Kanälen wurden inzwischen mehr als 10.000 Kommentare veröffentlicht», schrieb Idriz, darunter viele Hassbeiträge.
Imam: Muslimisches Leben gehört zur Gesellschaft
Seinen Angaben nach ist das Projekt bundesweit einmalig. «Für unsere Gemeinde ist das Schild weit mehr als ein Hinweis auf das Freitagsgebet. Es steht für Religionsfreiheit, Gleichbehandlung der Religionsgemeinschaften, Offenheit und die Selbstverständlichkeit, dass muslimisches Leben zu unserer Gesellschaft gehört.»
Wie der Imam mitteilte, wurde das Schild inzwischen vom städtischen Bauhof gereinigt. «Für die schnelle Reaktion und die große Solidarität der Stadt und vieler Menschen bin ich sehr dankbar.»
Weitere Schilder geplant
Mehrere Medien hatten zuvor über die mutmaßliche Sachbeschädigung berichtet. Penzberg will derartige Schilder an mehreren Orten in der Stadt montieren lassen.
Die Glaubensgemeinschaft Landkreis Weilheim-Schongau zählt zu den bekanntesten islamischen Gemeinden in Bayern. Im Jahr 2019 hatte auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Gemeinde besucht.
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