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Freie Wähler in Bayern vor großer Herausforderung bei der Aiwanger-Nachfolge

Freie Wähler in Bayern vor großer Herausforderung bei der Aiwanger-Nachfolge
Hubert Aiwanger ist tot. Seit 2010 war er Bundesvorsitzender der Partei. (Archivbild) / Foto: Stefan Puchner/dpa
Hubert Aiwanger war das Gesicht der Freien Wähler. Was sein Tod für die Partei bedeutet und vor welchen Herausforderungen sie nun steht, ordnet Politikwissenschaftler Constantin Wurthmann ein.

Auf der Suche nach einem Nachfolger für den überraschend verstorbenen Parteichef Hubert Aiwanger stehen die Freien Wähler (FW) laut Politikwissenschaftler Constantin Wurthmann vor großen Herausforderungen. «Sie müssen das personelle Vakuum erst mal füllen und das wird schwierig bis unmöglich sein», sagte der Professor für Politisches Verhalten und Repräsentation an der Universität Mainz der Deutschen Presse-Agentur. Eine Nachfolge zu finden, die in der Lage sei, «die Strahlkraft, die ein Hubert Aiwanger hatte, auszufüllen» – daran entscheide sich «im Endeffekt die Zukunft der Freien Wähler in Bayern». 

Der Politologe, der auch zum deutschen Parteiensystem forscht und 2023 eine Studie über die Wähler der Freien Wähler mitveröffentlicht hat, erklärt es so: «Es gibt keine starke Person, die zumindest bekannt wäre oder sichtbar wäre, die auch nur ansatzweise in der Lage wäre, den Freien Wählern derart eine Bühne auch medial zu bieten». Aiwanger sei als Person «ein Ausnahmephänomen» gewesen und habe dadurch eine zentrale Rolle in der Partei eingenommen.

Die Rolle Hubert Aiwangers

2006 wurde der Niederbayer zum bayerischen Landesvorsitzenden gewählt. Seit 2010 prägte er auch als Bundesvorsitzender eine Partei, deren Landesverbände ideologisch und inhaltlich sehr unterschiedlich ausgerichtet seien, sagt Wurthmann. «Ein ziemlich bunter Haufen». Das heißt: Im politischen Wettbewerb gebe es Landesverbände, die in ihren Positionen beispielsweise eher der SPD, der FDP, aber auch dem BSW nahestünden. «Und dann gibt es natürlich solche Verbände wie in Bayern, die einfach sehr konservativ ausgerichtet sind», erklärt der Politologe. 

Wenn also das Inhaltliche eine Partei nicht zusammenhalte, «braucht es aber zumindest eine starke Führungsperson, die für etwas steht und hinter der sich die Partei versammelt», sagt Wurthmann. «Aiwanger hat es geschafft, die Freien Wähler weitestgehend zu einigen, wenn man denn die Freien Wähler überhaupt mit ihren sehr unterschiedlichen Ausrichtungen in den Landesverbänden überhaupt zu etwas einen kann.»

Der für den 14. November geplante Bundesparteitag der Freien Wähler soll nach Angaben des stellvertretenden Bundesvorsitzenden Joachim Streit nun ins kommende Jahr verschoben werden. Partei und Fraktion wollen bis zum Wochenende über das weitere Vorgehen beraten.

Das konservative Profil 

Zentral für die bayerische Politik war laut Wurthmann auch Aiwangers politisches Profil. Er sei ein auf den Mittelstand ausgerichteter, konservativer Politiker gewesen, der «aber klassisch bayerisch wirtschaftliche Entwicklung und soziales, gesellschaftliches Miteinander nie gegeneinander ausgespielt hat, sondern immer wirtschaftliche Entwicklung als Potenzial gesehen hat, um mehr ökonomische Gleichheit innerhalb der Gesellschaft zu erreichen».

Eine «extrem relevante Stellung» habe er in Bayern auch dabei eingenommen, «Personen, die sich von etablierten Parteien der demokratischen Mitte nicht mehr vertreten gefühlt haben, ein sehr vokales Sprachrohr zu sein und ihnen als Sprachrohr zu dienen», sagt Wurthmann. 

Der künftige Umgang mit der AfD

Eine weitere entscheidende Frage bei der personellen Neuaufstellung wird dem Politikwissenschaftler zufolge auch sein, wie die Freien Wähler künftig mit der AfD umgehen werden. Bisher sei Aiwanger ein Garant dafür gewesen, dass es «nicht zu einer Annäherung kommt».

Mit Blick auf die großen Differenzen in den politischen Positionen, die zwischen den FW-Landesverbänden bestehen, sagt Wurthmann: «Man weiß nie, wer in einem Führungskampf tatsächlich die Führungsrolle übernimmt. Und mit Führungspersonen steht und fällt momentan oft in Parteien der Umgang mit der radikalen Rechten.»

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