Als die 15-jährige Lydia 2003 im Urlaub den 19-jährigen Tunesier Mouadh kennenlernte, war es um die junge Oberfränkin geschehen. 2008 heirateten sie und bauten sich ein Leben nahe Bamberg auf. «Mo war meine große Liebe», gestand die nunmehr 38-Jährige im Prozess vor dem Oberlandesgericht München. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft der konvertierten Muslimin Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland vor sowie Verletzung ihrer Fürsorge- und Erziehungspflicht als Mutter.
Der Prozess erzählt von einer Radikalisierung in der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) - und von einer Angeklagten, die sich davon mittlerweile entschieden distanziert. Laut Anklage war die Frau aus Strullendorf (Landkreis Bamberg) Ende September 2014 mit ihren drei Kindern über die Türkei ins syrische Bürgerkriegsgebiet gereist. Sie folgte ihrem Mann, der vorgefahren war, um dort nach Angaben der Staatsanwaltschaft für den IS zu kämpfen.