Der einst von Einzeltätern praktizierte Heiratsschwindel hat sich zu einer internationalen kriminellen Industrie mit geschätzten Milliardenschäden rund um den Globus entwickelt. Übliches Einfallstor für die sogenannten «romance scams» seien Datingportale, sagt Jason Lane-Sellers, Fachmann für Betrugsbekämpfung beim Cybersicherheitsdienstleister Lexis Nexis Risk Solutions. «Es sind große “Geschäftszentren”, die diese Betrugsmaschen mit Skripten, Datenquellen und Handlungsanweisungen betreiben und dafür viel Zeit und Mühe aufwenden.»
Professionelle Suche nach geeigneten Opfern
In einer neueren Variante verlangen die Täter kein Geld, sondern überreden ihre Opfer zu «Investitionen» in angeblich todsichere Firmen und Projekte - eine Kombination von Liebesschwindel und Anlagebetrug. «Diese Taten werden aus regelrechten Betrugsfabriken heraus begangen, in denen unzählige Menschen in sklavenähnlichen Bedingungen gezwungen werden, diese Betrugsindustrie am Leben zu halten», sagt Thomas Goger, Sprecher der Zentralstelle Cybercrime an der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg.
«Die verwendeten Identitäten werden häufig einfach von anderen Datingseiten oder sozialen Netzwerken kopiert und wirken dadurch authentisch», sagt ein Sprecher des Hamburger Datingportals Lemonswan. Nach Analyse der Cyberfachleute bei Lexis Nexis Risk Solutions durchforsten viele Täter vor dem ersten Kontakt systematisch Internet und soziale Medien und tragen Informationen über ihre Opfer zusammen - kriminelle Kundenakquise. Die Scammer teilten ihre Zielpersonen in "Geschäftssegmente" ein und analysierten die passende Masche – «ob Liebe, Geldanlage oder autorisierter Überweisungsbetrug», sagt Lane-Sellers. «Wenn es ihnen gelingt, über Sicherheitslücken an persönliche Daten zu gelangen, kennen sie Namen, Adressen und Nutzerdetails.»