Wer auf der Suche nach privaten Informationen über Ilse Aigner ist, hat es nicht leicht. Während andere Politiker wie CSU-Chef Markus Söder fast jedes Essen posten, teilt die Oberbayerin nur wenige Dinge aus ihrem Leben abseits der Politik. Auf ihrer Facebook-Seite finden sich fast täglich Texte und Bilder aus ihrem Alltag als CSU-Politikerin und Landtagspräsidentin - abseits dessen wird das Angebot aber dünn: Mal ein Video von einer Schlittenfahrt, mal ein Foto aus ihrer Kindheit oder Urlaubserinnerungen. Vielleicht gibt es am 7. Dezember wieder etwas Privates - dann wird Ilse Aigner 60 Jahre alt.
Fehlendes Machtbewusstsein oder einfach Zufriedenheit?
Möglicherweise basiert auf diesen schmerzhaften Erfahrungen Aigners Gelassenheit, die ihr im politischen Alltag Kritiker auch gerne als fehlende Machtgier vorhielten. Zu hören war dies etwa, als Aigner als Nachfolgerin von Horst Seehofer im Amt des Ministerpräsidenten gehandelt wurde - damit war sie automatisch eine Konkurrenz für Söder, der das Amt unbedingt haben wollte. «Ja, dieses Machtbewusstsein, sage ich mal so, das habe ich einfach nicht. Ich muss jetzt nicht unbedingt was haben, mich selbst wichtig zu fühlen. Das habe ich definitiv nicht, sondern ich bin mit dem, was ich bin, auch sehr zufrieden.»
Politische Karriere war nie geplant
Dabei muss sich Aigner für ihre Karriere wahrlich nicht schämen. Seit 1985 ist sie Mitglied der CSU, seit 1995 im Parteivorstand und seit 2011 steht sie an der Spitze des mächtigen CSU-Bezirksverbandes Oberbayern. Bevor sie, wie sie es heute nennt «eher zufällig» und über einen eigentlich aussichtslosen Listenplatz 1994 erstmals in den bayerischen Landtag einzog, gehörte sie dem Gemeinderat in ihrer Heimat Feldkirchen-Westerham und dem Kreistag des Landkreises Rosenheim an. «Und der zweite Schritt, dass ich in den Bundestag gekommen bin, das war auch nicht geplant», sagt Aigner.
Mehr noch: Sie habe nie derartige Karrierepläne gehabt - auch die Arbeit in der Hubschrauberentwicklung habe ihr «total gut gefallen». Nach ihrem Realschulabschluss hatte Aigner erst eine Ausbildung als Radio- und Fernsehtechnikerin und später eine Fortbildung zur staatlich geprüften Technikerin absolviert. Wie in der Politik war sie dabei immer wieder meist von Männern umgeben. In der Politik würde sie sich in jedem Fall mehr Frauen wünschen - doch leider würden konservative Frauen da auch ein bisschen anders ticken. «Was aber nichts ändert daran, dass wir dafür werben müssen.»
Familie und Freunde haben für Aigner eine ebenso hohe Bedeutung wie ihre Heimat. Hier sei sie nicht die Politikerin. Besondere Erdung brauche sie aber keine: «Ich bin einfach nicht der Typ dazu, sozusagen von oben herab da mir irgendwas heraushängen zu lassen. Das werde ich auch nie werden. Das liegt wahrscheinlich schon in der Kindheit. Meine Eltern haben das immer gelernt, nicht nach unten treten und nach oben schleimen.»