«Wohin wollen Sie?» Eine Frau mit gelber Weste verwehrt am Haupteingang der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule in Ulm den Zugang zum Gebäudeteil B7/S5. Die Szene erinnert an Bilder aus den USA, wo man mit strengen Kontrollen Schüler nach Waffen und Drogen durchcheckt. So weit geht man in diesem in Baden-Württemberg einzigartigen Fall nicht. Der Sicherheitsdienst an einer Berufsschule in Ulm soll laut Stadt vor allem Präsenz zeigen - und die Szenerie beobachten. Abschreckung ist offenbar die Hauptaufgabe.
Verabredung zu Schlägereien?
Vor dem Ulmer Schulbeirat klagte Schulte im vergangenen Herbst über «Massenkeilereien und Bisswunden». Schüler würden sich zu Schlägereien verabreden. Zudem seien Erwachsene auf dem Gelände, von denen man nicht wisse, was sie dort wollten.
Der Rektor beklagte im Ulmer Rathaus, dass die Schüler gegenüber Lehrerinnen keinen Respekt zeigten. Seine Kolleginnen hätten Angst. Er forderte bei der Sitzung Ende September konkrete Maßnahmen, um weitere Gewalt zu verhindern. Tatsächlich berieten dann Stadt, Polizei und sogar das Regierungspräsidium Tübingen darüber, wie man gegensteuern konnte. Und als Konsequenz zog die Stadt offenbar die Reißleine.
Nur bestimmte Klassen der Berufsschule im Fokus
Im Mittelpunkt stehen offenbar die sogenannten VABO-Klassen - das Kürzel steht für «Vorbereitung Arbeit Beruf ohne Deutschkenntnisse». Der Berufsschullehrerverband Baden-Württemberg sieht in den Vorfällen einen Beleg für die mangelnde Unterstützung im Umgang mit oft traumatisierten Flüchtlingen ohne Deutschkenntnisse. Nur sieben Prozent der Schulen hätten genügend Zeit für die Beziehungsarbeit, so der Verband in einer Mitteilung aus dem vergangenen Oktober.
Ein Sprecher der Stadt Ulm spricht von zwei konkreten Fällen, an denen vor allem schulfremde Personen beteiligt gewesen seien. Nach einem Bericht der Ulmer Polizei von Mitte Januar mussten die Beamten auf dem Ulmer Kuhberg anrücken, weil ein 15-Jähriger versucht haben soll, einen 17-Jährigen im Flur der Steinbeis-Schule anzugreifen. Befürchtet wurde eine Messerattacke. Der Tatverdächtige hatte aber keine Waffe dabei. Es gehöre nicht zur Schule, hieß es in dem Bericht.