Keine Juden erlaubt - mit dieser Antwort an einen Gast aus Israel hat ein Hotel in der Oberpfalz für Fassungslosigkeit gesorgt. «Sind wir wieder in den 1930er Jahren?», fragte die Generalkonsulin des Staates Israel für Süddeutschland auf der Plattform X mit Blick auf die systematische Entrechtung und Ermordung von Juden im Nationalsozialismus. Das «Hotel zum Hirschen» in Lam im Bayerischen Wald entschuldigte sich und lud den Gast zu einem kostenlosen Urlaub ein. Dennoch könnte ein strafrechtliches Nachspiel folgen - Volksverhetzung steht im Raum.
Auch bei der Anfrage aus Israel habe man fälschlicherweise angenommen, dass es sich um einen Fake handele. «Es ist uns aber wirklich äußerst wichtig, dass Sie verstehen, dass diese Äußerung nicht im Hinblick auf Menschen jüdischen Glaubens gemacht wurden, sondern aus Ärger über die zahlreichen Fake-Buchungen», heißt es in dem Schreiben. «Das war nichtsdestotrotz inakzeptabel und darf so in einem professionellen Betrieb nicht passieren.»
Doch woher kam dann der Zusammenhang zu Juden? «Das war eine Buchung aus Israel», sagte Vogl der dpa. Dass der Gast jüdisch war, habe man nicht gewusst.
Mögliche strafrechtliche Folgen
Die Justizbehörden sind bereits tätig. Der Zentrale Antisemitismusbeauftragte der Bayerischen Justiz habe ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, teilte die Generalstaatsanwaltschaft München mit. Es gehe um den Anfangsverdacht der Volksverhetzung. Gegenstand der Ermittlungen sei zunächst «die vollständige Aufklärung des Sachverhalts». Nähere Angaben machte die Behörde nicht, stellte aber klar: «Es gilt die Unschuldsvermutung.»
Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle ordnet den Vorfall als «eindeutig antisemitische Äußerung eines Hotels im Landkreis Cham» ein. Diese habe man an die zuständigen Behörden zur Prüfung und Weiterbehandlung weitergeleitet. «Es ist wichtig, dass wir mit offenen Augen auf solche Vorfälle reagieren und konsequent handeln», so Spaenle.
Eine Überprüfung strafrechtlicher Konsequenzen hat auch der Zentralrat der Juden in Deutschland gefordert. «Die menschenverachtende Aussage "keine Juden erlaubt" lässt sich unabhängig vom Versuch ihrer Kontextualisierung keinesfalls rechtfertigen», sagte Zentralratspräsident Josef Schuster. «Auch wenn ich die Entschuldigung für diese inakzeptable Äußerung zur Kenntnis genommen habe, bleibt es schockierend, dass jemand diesen Gedankengang nicht nur haben, sondern auch verschriftlichen und verschicken würde.»