Die hoch verschuldete Baywa will in Kürze ihre defizitäre Ökostromtochter Baywa r.e. loswerden. Die einst als Wachstumshoffnung gestartete Gesellschaft soll an einen «Transformations-Gesellschafter» verkauft beziehungsweise übertragen werden. Die Details zur künftigen Eigentümerstruktur sollen «in wenigen Wochen» kommuniziert werden, wie es in einer Mail des Baywa r.e.-Chefsanierers Hans-Joachim Ziems an die Führungskräfte der Gesellschaft heißt. Bislang ist die r.e. ein Gemeinschaftsunternehmen der Mutter Baywa AG und des Schweizer Investors EIP. «Damit setzen wir unsere Transformation noch zügiger fort, und zwar in Eigenregie», schreibt Ziems.
Verkauf der Baywa r.e. bringt viel weniger als erhofft
Sowohl die Sanierung der Baywa AG als auch diejenige der r.e. sollen nun voraussichtlich jeweils zwei Jahre länger als ursprünglich bis 2030 dauern. Die r.e. hätte eigentlich für einen erhofften Preis von 1,7 Milliarden Euro verkauft werden sollen, doch hatte deren Management seine Ergebnisziele im Frühjahr drastisch nach unten geschraubt und den Sanierungszeitraum verlängert. Das wiederum führte dazu, dass auch die Baywa AG ihren Sanierungsplan ändern musste. Mittlerweile geht der Baywa-Vorstand davon aus, dass der Verkauf des r.e.-Anteils noch 900 Millionen Euro einbringen könnte. Allerdings sollen sowohl die Baywa AG als auch EIP auf ausstehende Forderungen gegen die BayWa r.e. verzichten, wie aus Ziems' Mail hervorgeht.
Enttäuschte Hoffnungen
Der Baywa-Konzern war 2009 unter Regie des früheren Vorstandschefs Klaus Josef Lutz mit großen Hoffnungen in das Geschäft mit erneuerbaren Energien eingestiegen. Entwicklung und Betrieb von Solar- und Windparks sollten zu einem zweiten Standbein des bis dahin weitgehend auf den Agrarhandel spezialisierten Münchner Konzerns werden.
In den Jahren 2023 und 2024 gerieten die Muttergesellschaft Baywa AG und Tochterunternehmen jedoch simultan in große Schwierigkeiten: Die AG konnte die Zinskosten der über fünf Milliarden Euro Finanzschulden nicht mehr tragen, die der Konzern im Zuge der von Lutz geleiteten kreditfinanzierten Auslandsexpansion aufgehäuft hatte. Die r.e. hatte ihr Geschäft ebenfalls mit Hilfe von Darlehen aufgebaut, und wurde außerdem von der US-Politik in Mitleidenschaft gezogen: Präsident Donald Trumps Kürzung der Zuschüsse für den Ausbau der erneuerbaren Energien verhagelte der r.e. den Ausblick. Deren Vorstand geht aber davon aus, dass das Unternehmen bereits im nächsten Jahr einen operativen Gewinn erwirtschaften kann.