Es ist der klischeebehaftete Dreiklang am Samstagnachmittag im Frühling, irgendwo in Deutschland: die Radio-Konferenz zu den entscheidenden Spieltagen in der Fußball-Bundesliga hören, Auto waschen - und Rasenmähen. Nun rufen Naturschutzverbände dazu auf, im Mai den Rasenmäher im Schuppen zu lassen. Warum? Die Aktion «mähfreier Mai» soll, kurz gesagt, Insekten wie Bienen und Hummeln zu mehr Nahrung verhelfen, weil Blumen aufblühen können im Garten.
Und warum ist das das Verzichten aufs Mähen sinnvoll?
«Wird im Frühjahr und Frühsommer auf das Mähen verzichtet, können sich die Pflanzen bis zur Blüte entwickeln. Im Rasen sind das unter anderem Gänseblümchen, Weißklee, Gundermann oder Löwenzahn», sagt Tarja Richter, Biologin und Insektenexpertin beim bayerischen Natur- und Umweltverband LBV. Das helfe Insekten, die Nektar und Pollen der Pflanzen brauchen, um sich und ihre Nachkommen zu versorgen. «Von den sich ansiedelnden Insekten können dann auch die im Mai geschlüpften Vogelküken ernährt werden.»
Der Nabu in Baden-Württemberg rät zu mehr Gelassenheit bei der Rasenpflege im Garten, was ja auch weniger Arbeit bedeute: «Einfach weniger radikal rupfen und nicht ständig mähen, dann kommt die blühende Natur von ganz alleine», sagt Gartenexpertin Aniela Arnold. Wer weniger mähe, könne mehr Natur genießen und habe weniger Stress.
Sind Gärten wirklich eine relevante Größe?
Ja, versichern Expertinnen und Experten. «Im Siedlungsraum leben erstaunliche viele Arten, die hier einen Ersatz für die freie Landschaft gefunden haben», sagt Tarja Richter vom LBV. Die Uni Würzburg habe beispielsweise in einem Projekt 247 Wildbienenarten in 40 Dörfern nachgewiesen. «Natürlich müssen die größten Bemühungen auf den Erhalt und Wiederherstellung von Lebensräumen in der Kulturlandschaft abzielen, aber solange es dort mau aussieht, können wir im Siedlungsbereich erstaunlich viel beitragen. Und so klein ist diese Fläche auch nicht: Etwa zwei Prozent der Gesamtfläche Deutschlands sind Privatgärten.»
Auch der Nabu im Südwesten versichert, es bringe etwas, wenn in den geschätzt 17 Millionen privaten Gärten in Deutschland auf die Artenvielfalt geachtet wird: «Auch wenn einzelne Gärten vielleicht nicht groß sind, in Summe können sie einen wichtigen positiven Effekt auf die Biodiversität haben – und als Trittsteinbiotope fungieren.»