Die Nationalspielerinnen Giulia Gwinn und Lena Oberdorf hatten an ihrem denkwürdigen Comeback-Abend Tränen in den Augen. Nach etwas mehr als drei Monaten Pause wegen einer Schulteroperation krönte Gwinn ihre Rückkehr beim FC Bayern München sogar mit einem Tor. Oberdorf wiederum hatte sich im Oktober 2025 innerhalb von 15 Monaten zum zweiten Mal das Kreuzband im rechten Knie gerissen und durfte sich am Montagabend beim 2:0 (1:0) am zweiten Bundesliga-Spieltag gegen Aufsteiger FSV Mainz 05 über einen Teilzeiteinsatz freuen. Als die Mittelfeldspielerin in der 72. Minute wieder den geliebten Fußballplatz am Campus betreten durfte, war Gwinn schon ausgewechselt - und dennoch über alle Maßen gerührt. Sie sei wie bei ihrem eigenen Tor in der 39. Minute emotional geworden, räumte die Kapitänin der deutschen Nationalmannschaft ein. «Es ist unfassbar schön. Wenn man eine Zeit lang weg ist, ist es einfach schön, mit den Mädels wieder auf dem Platz zu stehen.» Für Oberdorf hatte Gwinn nur Hochachtung parat. «Sie ist enorm gewachsen, vor allem als Mensch, sie hilft uns aber natürlich jetzt schon auf dem Platz», lobte Deutschlands «Fußballerin des Jahres». Wie besonders dieser Abend auf dem Campus des FC Bayern war, verdeutlichte ein besonderes Geschenk, das Oberdorf nach dem Schlusspfiff in Händen halten durfte. Die gebürtige Spanierin Natalia Padilla Bidas, selbst früher in München aktiv und Nationalspielerin Polens, ließ ihrer Partnerin nämlich einen Blumenstrauß ins Stadion liefern. «Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, ich hatte bei der Einwechslung Tränen in den Augen, musste mich kurz straffen», sagte Oberdorf dem TV-Sender Sport1, nachdem Vanessa Gilles (90.+1) kurz vor dem Ende noch den Schlusspunkt der Partie gesetzt hatte. «Es ist unheimlich schön, wieder bei der Mannschaft zu sein, die Abläufe wieder mitzumachen und ein Spiel zu haben, in dem es um etwas geht. Ich habe es echt vermisst.» Vermisst hat natürlich auch José Barcala sein Ausnahme-Duo. «Mit Giulia und Lena haben wir noch deutlich mehr Qualität im Team. Man kann sich vorstellen, wie froh und glücklich wir sind, ihre Qualität zurückzuhaben», sagte der Bayern-Coach nach dem 44. ungeschlagenen Bundesligaspiel der Münchnerinnen in Serie, womit der vereinseigene Rekord eingestellt wurde. «Das ist das, was heute stehen bleibt, dass Spielerinnen ihre Comebacks geben konnten und dass wir drei Punkte mitnehmen konnten», befand die Direktorin der Münchner Frauenfußball-Abteilung, Bianca Rech. Bald soll auch Nationalspielerin Franziska Kett (Sprunggelenksverletzung) wieder ins Training einsteigen, Sarah Zadrazil (Kreuzbandriss) stehe «in den Startlöchern». Bundestrainer Christian Wück war nicht im Stadion. Er konnte die Comeback-Nachrichten aber ebenfalls mit großer Erleichterung entgegennehmen. «Ich freue mich sehr, Obi und Giuli wieder auf dem Platz zu sehen», sagte Wück. «Für beide ist es jetzt wichtig fit und gesund zu bleiben. Ich bin mir sicher, dass sie dann zu ihrer alten Stärke zurückfinden werden.» Gwinn dürfte zu den Testspielen am 9. Oktober in Karlsruhe gegen Australien und am 13. Oktober in Bremen gegen Japan in Wücks Kader zurückkehren. Bei Oberdorf sind alle Beteiligten nach deren Verletzungshistorie vorsichtig mit Belastungen und Spielzeiten. Sie verpasste Olympia 2024 wegen ihres ersten Kreuzbandrisses. Aufgrund fehlender Spielpraxis hatte Wück sie nicht für die EM 2025 in der Schweiz nominiert. Auch für die Bundesliga ist die Rückkehr von Gwinn und Oberdorf wichtig: Nachdem weitere Nationalspielerinnen wie zuletzt Carlotta Wamser (von Bayer Leverkusen zu Manchester City) nach England gewechselt sind und Alexandra Popp (vom VfL Wolfsburg zum Regionalligisten Borussia Dortmund) nicht mehr im Oberhaus spielt, gehört das Bayern-Duo zu den Spielerinnen mit der größten Strahlkraft. Nicht zuletzt emotional. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenBlumenstrauß von der Freundin
Der Bundestrainer ist erleichtert
Strahlkraft von Gwinn und Oberdorf