Es war eine bittere Niederlage für die damals allein regierende CSU, die noch tausendfache Folgen haben sollte: Vor 30 Jahren, am 1. Oktober 1995, stimmten die bayerischen Bürgerinnen und Bürger in einem landesweiten Volksentscheid für die Einführung kommunaler Bürgerbegehren und Bürgerentscheide. Seit dem 1. November 1995 gibt es das Instrument - das inzwischen einige tausendmal angewendet wurde: Mehr als 3.700 Bürgerbegehren zählte der Verein «Mehr Demokratie e.V.» seither. Und mehr als 2.300 Mal gab es demnach einen Bürgerentscheid. Manches Projekt wurde seither gestoppt - Bürgerentscheide gelten aber auch als befriedend.
Wie kam es dazu, dass das Instrument in Bayern eingeführt wurde?
Tatsächlich finden sich schon in der Bayerischen Verfassung Instrumente direkter Bürgerbeteiligung: Volksbegehren und Volksentscheide. Auf diesem Wege können Bayerns Bürger direkt auf die Landesgesetzgebung Einfluss nehmen - wobei es dafür auch bestimmte Hürden gibt. Etwa eine Mindestzahl an Unterstützern für den Antrag auf ein Volksbegehren und dann eine Mindestzahl an Unterschriften in einem Eintragungszeitraum von zwei Wochen, bevor es tatsächlich zu einem Volksentscheid kommt. Genau auf diesem Wege wurde auch das Instrument der Bürgerbegehren und -entscheide eingeführt.
Wie verliefen damals die Fronten?
Die CSU hatte in ihrem Gegenentwurf damals deutlich höhere Hürden für Bürgerentscheide in Städten, Gemeinden und Landkreisen vorgesehen - scheiterte aber damit. Der damalige CSU-Generalsekretär Bernd Protzner räumte die Niederlage ein: «Die Absichten der Bürgerinitiative werden die Kommunalpolitik enorm erschweren. Sie können den Standort Bayern in erhebliche Bedrängnis bringen», warnte er am Tag danach. Der Initiator der Bürgeraktion, der Allgäuer Thomas Mayer, feierte das Ergebnis dagegen als «Riesenerfolg für die Demokratie»: «Jetzt ist Bayern in Sachen Bürgermitbestimmung vorn: vom Schlusslicht zur Lokomotive in Deutschland.»
Die Initiative war auch von SPD, Grünen und FDP unterstützt worden. Die damalige SPD-Landesvorsitzende Renate Schmidt begrüßte das Ergebnis deshalb mit den Worten: «Für manche Regierende mag Politik künftig etwas unbequemer werden, sicherlich wird unsere Demokratie aber lebendiger.»