Eine alternde Gesellschaft bietet Renditechancen: Angesichts der chronischen Flaute auf dem Büroimmobilienmarkt entdeckt eine wachsende Zahl frustrierter Investoren und Banken Pflegeheime als Kapitalanlage. Da die Zahl der Pflegebedürftigen in den kommenden Jahren weiter steigen wird, ist der Kapitalbedarf für neue Pflegeheimplätze hoch. «Pflegeimmobilien waren nie eine Asset-Klasse, die bei den Banken in der Vergangenheit im Fokus stand», sagt Philipp Wackerbeck, Partner bei dem Beratungsunternehmen Strategy& in München. «Doch das hat sich fundamental gedreht.»
Banken hielten sich lang von Pflegebetten fern
Das Thema «Betten finanzieren» sei bei Banken lange unbeliebt gewesen, «weil die Marge niedrig und das Risiko hoch war und man natürlich auch dafür Spezialisten braucht, die nicht jede Bank hat.» Und private Kapitalgeber haben nach Worten Wackerbecks Interesse, als Eigentümer und Betreiber direkt einzusteigen. «Das betrifft nicht nur Pflege im engeren Sinne», sagt der Berater. «Wohnkonzepte für ältere Menschen, Seniorenwohnen mit und ohne Betreuung oder Pflege, sind ein wachsender Markt.» Für Banken bieten sich nach Einschätzung der Berater unter anderem Chancen für Projektentwicklungs- und Bestandsdarlehen.
Zahl der Pflegebedürftigen schon vor Abschied der Babyboomer stark gestiegen
Doch warum ist die Zahl der Pflegebedürftigen in den vergangenen Jahren so stark gestiegen, noch bevor Scharen von Babyboomern aus dem Arbeitsleben ausscheiden? Eine Hauptursache waren die «Pflegestärkungsgesetze» der Jahre 2015 und 2017. Seither gilt nicht mehr nur als pflegebedürftig, wer körperlich gebrechlich ist, sondern auch Menschen mit «gesundheitlich bedingten Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten».
In die Alltagssprache übersetzt bedeutet das im Wesentlichen, dass auch Demenz und seelische Erkrankungen Pflegegründe sind. Das würde auch ganz ohne demografischen Wandel höhere Kosten nach sich ziehen. Die deutsche Politik hat nach Einschätzung von Fachleuten einerseits die Leistungen ausgeweitet und andererseits finanziell nicht ausreichend vorgesorgt.