Logo DieBayern.de News

München wird heißer: Wie Wohnungen für kommende Sommer gerüstet werden können

München wird heißer: Wie Wohnungen für kommende Sommer gerüstet werden können
Bildquelle: Indeogram 4.0 Turbo
Der Sommer hat sich verabschiedet und die heißen Tage und Nächte sollten vorerst gezählt sein. Damit ist für Haus- und Wohnungseigentümer der ideale Zeitpunkt gekommen, um die eigenen vier Wände für die nächsten Hitzewellen zu rüsten. Denn wer erst bei 30 Grad im Schlafzimmer feststellt, dass sich Innenräume kaum noch abkühlen lassen, kann kurzfristig nur begrenzt gegensteuern.

In München bekommt das Thema zusätzlichen Rückenwind durch eine aktuelle Datenlage. Die Landeshauptstadt hat im August 2026 ihre aktualisierte Stadtklimaanalyse vorgestellt. Sie zeigt, wo München schon heute besonders von Hitze betroffen ist und wie sich die Belastung unter veränderten Klimabedingungen entwickeln könnte. Für Eigentümer und Mieter stellt sich damit zunehmend die Frage, wie sich bestehende Gebäude an wärmere Sommer anpassen lassen.

Warum Hitze in der Stadt zum Wohnproblem wird

Städte reagieren anders auf hohe Temperaturen als ländliche Gebiete. Bebauung und versiegelte Flächen beeinflussen den Wärmehaushalt, während Grünflächen und Vegetation kühlend wirken können. Die Münchner Stadtklimaanalyse zeigt entsprechend deutliche Unterschiede zwischen dicht bebauten Innenstadtbereichen und begrünten Quartieren.

Besonders unangenehm wird es, wenn Gebäude auch nachts kaum noch auskühlen. Diese Situation berücksichtigt die neue Analyse ebenfalls: Während tagsüber vor allem die gefühlte Temperatur und die Aufenthaltsqualität entscheidend sind, beeinflusst die nächtliche Lufttemperatur den Schlafkomfort in Gebäuden.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Eigentümer gegen sommerliche Überhitzung machtlos sind. Neben Maßnahmen im öffentlichen Raum lässt sich auch am einzelnen Gebäude sinnvoll ansetzen für einen wirkungsvolleren Hitzeschutz.

Die Sonne möglichst vor dem Fenster stoppen

Einer der wichtigsten Ansatzpunkte für einen effektiven Hitzeschutz sind die Fenster. Über Glasflächen kann Sonnenenergie ins Gebäude gelangen und die Innenräume stark aufheizen. Räume mit großen Fensterflächen, Dachfenstern und Südausrichtung sin besonders stark betroffen. 

Ein effizienter Hitzeschutz beginnt deshalb schon vor der Fensterscheibe. Der Grund ist einfach:

Rollläden, Raffstores oder andere außenliegende Systeme halten einen Teil der Sonnenstrahlung ab, bevor sie durch das Fenster ins Rauminnere gelangt. Innenliegende Rollos oder Vorhänge können einen positiven Effekt verstärken, sind beim Hitzeschutz aber weniger wirksam.

Welche Lösung sich nachrüsten lässt, hängt vom Gebäude und von der Einbausituation ab. Wer einen Hitzeschutz mit baulichen Veränderungen plant, sollte zunächst prüfen lassen, welche außenliegende Verschattung am konkreten Gebäude technisch umsetzbar und erlaubt ist. Das gilt insbesondere für Gebäude mit Denkmalschutz, die in einigen Teilen Münchens verbreitet sind.

„In denkmalgeschützten Gebäuden gelten besondere Vorschriften. Häufig sind dezente, optisch angepasste Lösungen möglich – etwa farblich abgestimmte Vorbauelemente oder innenliegende Systeme", informiert der ROMA Fachpartner in München. Die Experten raten Eigentümern dazu, die Umsetzung durch das planende Unternehmen direkt mit den zuständigen Behörden abstimmen zu lassen.

Automatisierung kann beim Hitzeschutz helfen

Der wirksamste Sonnenschutz nützt wenig, wenn er erst aktiviert wird, nachdem sich ein Raum bereits aufgeheizt hat. Deshalb kann bei der ganzheitlichen Planung auch die Steuerung eine Rolle spielen.

Moderne Systeme lassen sich beispielsweise mit Licht-, Temperatur- oder Wettersensoren kombinieren. Intelligente Systeme können dadurch auf starke Sonneneinstrahlung reagieren, auch wenn gerade niemand zu Hause ist.

Das ist beispielsweise für Räume interessant, die sich tagsüber stark aufheizen. Statt morgens alle Rollläden vollständig zu schließen und den ganzen Tag auf natürliches Licht zu verzichten, können automatisierte Lösungen abhängig von Sonneneinstrahlung und Wetter reagieren. Ein wirkungsvoller Hitzeschutz muss damit nicht zwangsläufig bedeuten, den Wohnraum während eines Sommertages komplett abzudunkeln.

Richtig lüften

Auch effizientes Lüften gehört zum sommerlichen Wärmeschutz. An heißen Tagen ist jedoch der Zeitpunkt entscheidend.

Ist die Außenluft deutlich wärmer als die Luft in der Wohnung, bringt dauerhaftes Lüften zusätzliche Wärme hinein. Die Verbraucherzentrale empfiehlt deshalb, vor allem nachts und am frühen Morgen ausgiebig zu lüften, wenn es draußen kühler ist. 

Tagsüber sollten Fenster bei großer Hitze dagegen eher geschlossen bleiben und direkte Sonneneinstrahlung möglichst verhindert werden. So lässt sich die kühlere Nachtluft länger im Gebäude halten.

Wie gut dieses Prinzip funktioniert, hängt allerdings auch von der Bauweise ab.

Dachgeschosswohnungen, große Glasflächen oder schlecht gedämmte Bauteile können die sommerliche Überhitzung verstärken.

Eine effiziente Dämmung hilft nicht nur im Winter

Wer über energetische Sanierung nachdenkt, verbindet Dämmung meist zuerst mit Heizkosten und kalten Wintertagen. Eine gut geplante Gebäudehülle kann aber auch im Sommer Vorteile bieten.

Dämmmaßnahmen können dazu beitragen, den Wärmeeintrag über Dach und Außenwände zu reduzieren. Besonders bei einer ohnehin anstehenden Sanierung lohnt es sich deshalb, winterlichen und sommerlichen Wärmeschutz gemeinsam zu betrachten.

Eine einzelne Maßnahme muss also nicht sämtliche Probleme lösen. Häufig entsteht die bessere Wirkung durch das Zusammenspiel mehrerer Bausteine.

Pflanzen können das Mikroklima verbessern 

Hitzeschutz endet nicht an Fenster und Fassade. Auch eine Begrünung der Flächen rund um Gebäude und der Gebäude selbst hat positive Auswirkungen auf klimatische Auswirkungen.

Bäume und größere Sträucher können Flächen und Gebäudeteile verschatten.

Laubabwerfende Gehölze haben dabei einen praktischen Nebeneffekt: Im Sommer spenden ihre Blätter Schatten, während in der kälteren Jahreszeit nach dem Laubfall wieder mehr Sonnenlicht das Gebäude erreichen kann.

Auch Dach- und Fassadenbegrünung gehören zu den Maßnahmen, die im Zusammenhang mit klimaangepasstem Bauen diskutiert werden. Die Stadt München verfolgt mit dem Konzept „Klimaresilientes München 2050" unter anderem das Ziel, Potenziale zur Begrünung von Gebäuden und öffentlichen Räumen stärker auszuschöpfen.

Natürlich lässt sich nicht jedes Haus nach Belieben begrünen. Statik, bauliche

Voraussetzungen, Pflege und gegebenenfalls rechtliche Vorgaben müssen berücksichtigt werden. Bei einer größeren Sanierung kann es sich jedoch lohnen, diese Möglichkeiten mitzudenken.

Was Mieter verändern dürfen und was nicht

Während Eigentümer am eigenen Haus vergleichsweise frei planen können, müssen Mieter bei baulichen Veränderungen vorsichtiger sein. Ein außen montierter Sonnenschutz verändert die Gebäudehülle und darf nicht ohne Weiteres eigenmächtig angebracht werden. Für außenliegende Systeme und innen angebrachten Hitzeschutz, der bauliche Veränderungen erfordert, ist deshalb häufig die Zustimmung des Vermieters erforderlich.

Auch Wohnungseigentümer in einer Eigentümergemeinschaft sollten vor Veränderungen an Fassade oder Fenstern klären, welche Beschlüsse notwendig sind.

Im Herbst schon für den nächsten Sommer planen

Die neue Münchner Stadtklimaanalyse macht deutlich, dass sommerliche Hitze kein Thema einzelner außergewöhnlicher Tage bleiben wird.

Das macht den Blick auf die Schwachstellen des eigenen Gebäudes wichtiger: Welche Räume heizen sich besonders auf? Durch welche Fenster fällt lange direkte Sonne? Gibt es nachts Möglichkeiten zur Querlüftung? Fehlt außenliegende Verschattung? Stehen ohnehin Arbeiten an Fenstern, Dach oder Fassade an?

Der Herbst ist ein guter Zeitpunkt, solche Fragen ohne akuten Hitzedruck zu klären. Denn wirksamer sommerlicher Wärmeschutz beginnt lange vor dem nächsten heißen Tag und meist auch schon vor der Fensterscheibe.