Nationalsozialisten wie Hermann Göring liebten Kunst. Und sie scheuten nicht davor zurück, jüdischen Menschen ihre Schätze zu rauben oder abzupressen. Mehr als 80 Jahre nach Ende des Terrorregimes warten viele Opfer immer noch auf die Rückgabe dieser NS-Raubkunst. Bayern will nun Tempo machen. Doch was muss alles geschehen? Das zeigt der Bericht einer externen Untersuchungskommission zur Provenienzforschung an den Staatsgemäldesammlungen, der im Landtag vorgestellt wurde. Darin gibt es viele Vorschläge, einige Kritik, aber auch lobende Worte.
«Wilde Monate» bei den Staatsgemäldesammlungen
«Es waren für die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen wilde Monate», sagt Kunstminister Markus Blume (CSU), will aber nicht von einem Skandal sprechen und verweist auf die Untersuchungsergebnisse. Das Gros der Vorwürfe sei haltlos, es gebe keine Anhaltspunkte für Organisationsversagen und Fehlverhalten. Nicht bestätigt habe sich auch der Vorwurf, irgendwo würden Konvolute von Gemälden lagern, die gesichert Raubkunst seien und die den Erben vorenthalten würden.
Neben den Vorwürfen zum Umgang mit Raubkunst-Fällen war auch interne Kritik laut geworden. Vorwürfe sexueller Belästigung von Besuchern durch das Sicherheitspersonal bestätigten sich laut Blume, nicht dagegen Vorwürfe wegen Schwarzarbeit oder Sicherheitsmängeln. Das Vorbringen, Mitarbeiter seien bespitzelt worden, habe man nicht aufklären können. Es sei aber auch klar, dass bei den Staatsgemäldesammlungen vieles im Argen gelegen habe, so Blume.
«Riesenberg Arbeit»
Nun wartet also ein «Riesenberg Arbeit», wie es der Minister formuliert, vor allem bei der Klärung, welche Objekte Raubkunst sind. Mit Stand Oktober zählten 82 Werke laut Bericht zur roten Kategorie. Hier besteht also ein Raubkunst-Verdacht. Hinzu kommen 446 als orange gekennzeichnete Objekte, bei denen die Herkunft zweifelhaft ist.
Doch das ist womöglich nur die Spitze des Eisbergs. Rund 3.000 weitere Kunstwerke, die die Sammlung nach 1945 erworben hat, wurden in dieser Hinsicht nur sehr oberflächlich überprüft. Hier müsse es zügig eine eingehendere Prüfung geben, so Blume, der von einer vordringlichen Aufgabe für die nächsten «Monate und ein, zwei Jahre» spricht.