Heinrich XIII. Prinz Reuß soll einer der Rädelsführer einer mutmaßlichen «Reichsbürger»-Gruppe gewesen sein - nun hat er erstmals vor Gericht ausgesagt. Am elften Verhandlungstag im Prozess um ihn und acht weitere Angeklagte erklärte der Frankfurter Immobilienhändler, er sei strikter Gegner von Gewalt. «Natürlich lehne ich Gewalt ab - aber die Anklage versucht mir das Gegenteil zu unterstellen», sagte er am Freitagvormittag.
Im dunkelblauen Anzug nahm der 72-Jährige in der Mitte des Gerichtssaals Platz. Sein Anwalt Roman von Alvensleben wies noch vor Beginn der Einlassung auf die besondere Situation hin - Reuß' Familie war anwesend. Vor Verhandlungsbeginn durfte der Angeklagte auch seine Tochter begrüßen. Er bückte sich an der Glasscheibe zum Zuschauer- und Presseraum zu ihr hinunter. Wieder am Platz wischte er sich Tränen aus dem Gesicht. Auch seine Ex-Frau schaute zu. Sie saß neben der Tochter.
Reuß sichtlich ergriffen
Es fiel Reuß sichtlich schwer zu reden. Er pausierte immer wieder, den Tränen nahe, als er von seiner Familiengeschichte rund um seine vier Geschwister, das Leben seiner Eltern und seine Jugend sprach. «Mein Zustand ist labil, ich weiß nicht was passiert, ich kann Ihnen ehrlich nicht sagen, was los ist», sagte er zum Vorsitzenden Richter Jürgen Bonk. Dieser unterbrach die Sitzung insgesamt dreimal - Reuß winkte mehrmals lächelnd seiner Tochter zu.