Im Wirecard-Skandal meldete die Commerzbank Finanzermittlern und Aufsicht über ein Jahr vor dem Kollaps des Konzerns den konkreten Verdacht krimineller Machenschaften. Doch kam keine Rückmeldung der Ermittler, wie eine Betrugsspezialistin der Bank am Donnerstag als Zeugin im Münchner Wirecard-Prozess berichtete. Auch die Commerzbank selbst zählte am Ende zu den Opfern: Obwohl das Frankfurter Geldhaus die Geschäftsbeziehung zu Wirecard beenden wollte, war das bis zum Wirecard-Kollaps im Sommer 2020 noch nicht vollzogen. Das berichtete der frühere Risikovorstand Marcus Chromik.
Nachdem Presseberichte die Bank unruhig gemacht hatten, kam die Betrugsspezialistin über 340 verdächtigen Überweisungen von insgesamt 350 Millionen Euro auf die Spur. Unter anderem fand sie heraus, dass 19 Wirecard-Partnerfirmen sämtlich in einem einzigen Singapurer Wolkenkratzer - 111 North Bridge Road - residierten, die zudem alle von den gleichen Menschen geleitet wurden, «nur jeweils in ihrer Funktion vertauscht.»