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Designerdrogen setzen sich in Bayern durch – LKA warnt

Leicht zu bekommen, billig - und in der Wirkung oft unkalkulierbar: Designerdrogen. (Illustration)  / Foto: Christoph Schmidt/dpa
Leicht zu bekommen, billig - und in der Wirkung oft unkalkulierbar: Designerdrogen. (Illustration) / Foto: Christoph Schmidt/dpa

Leicht zugängliche Neue psychoaktive Stoffe (NpS) gewinnen in Bayern Marktanteile. Behörden verzeichnen 2025 deutlich mehr Fälle und 23 Todesfälle.

Designerdrogen haben sich in Bayern ihren festen Platz unter den Rauschmitteln erobert. Fachleute des Landeskriminalamtes gehen davon aus, dass die Beliebtheit der leicht zugänglichen Mittel in den nächsten Jahren weiter steigen wird. Darauf deuten nicht nur die blanken Zahlen, sondern auch bestimmte Entwicklungen hin, wie eine Sprecherin der Behörde auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur erläuterte. Doch worum genau handelt es sich bei diesen Drogen eigentlich - und wie ist die Lage im Freistaat?

Was versteht man unter Designerdrogen?

Designerdrogen werden synthetisch hergestellt und ähneln in ihrer psychoaktiven Wirkung herkömmlichen Drogen, indem sie die Wirkung etwa von Cannabis, Ecstasy oder Amphetaminen imitieren. «Jedoch achten die Hersteller akribisch darauf, dass die einzelnen Inhaltsstoffe nicht ausdrücklich verboten sind – daher das irreführende Synonym "Legal Highs" (legale Rauschmittel)», wie die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) erläutert. 

Die Substanzmischungen werden in der Regel unter Fantasienamen zweckentfremdet als Fertigprodukte wie Badesalze, Düngerpillen oder Kräutermischungen angeboten. Oft dienen pflanzliche Grundstoffe als Träger für synthetische Substanzen. Unter den offiziellen Oberbegriff «Neue psychoaktive Stoffe (NpS)» fallen auch die sogenannten Forschungschemikalien - leicht veränderte Produkte aus der Pharmaforschung, die meist als Einzelsubstanzen konsumiert werden.

Wie gefährlich sind Designerdrogen?

«Der Konsum von NpS kann schwere Folgen nach sich ziehen: Die Symptome reichen von Übelkeit, heftigem Erbrechen, Herzrasen und Orientierungsverlust über Kreislaufversagen, Ohnmacht, Lähmungserscheinungen und Wahnvorstellungen bis hin zum Versagen der Vitalfunktionen», warnt das Bundesministerium für Gesundheit. Auch die DHS betont: «Neue psychoaktive Substanzen sind alles andere als harmlose Partydrogen.»

Von den meisten NpS seien weder genaue Wirkweisen noch Langzeitfolgen ausreichend dokumentiert, ergänzen die Fachleute. «Die irreführende, fast immer unvollständige oder nicht wahrheitsgemäße Etikettierung macht viele NpS zu Hochrisiko-Drogen mit einer enormen Gefahr von Überdosierung, riskanten Wechselwirkungen bis hin zu irreversiblen Folgeschäden.»

Allein im vergangenen Jahr starben in Bayern 23 Menschen offiziell an Designerdrogen, wobei bei den meisten eine Kombination mit noch mindestens einem weiteren todesursächlichen Stoff vorlag. 

Wie verbreitet sind Designerdrogen in Bayern?

Der Zugang zu Designerdrogen ist einfach: Sie können problemlos online bestellt werden, zudem sind sie oftmals erheblich billiger als ihre Pendants. Angesichts der Fallzahlen könne «zweifelsfrei belegt werden, dass NpS sich auf dem Rauschgiftmarkt zwischenzeitlich etabliert haben. Und es steht zu befürchten, dass die zahlreichen Derivate den klassischen Rauschgiften weiterhin Marktanteile abringen werden», schildert die BLKA-Sprecherin.

Im vergangenen Jahr registrierten die Ermittler 1.308 Verstöße, bei denen die Beteiligten unter Einfluss von NpS standen. Das entspricht laut BLKA einer Steigerung von 59 Prozent zum Vorjahr. Da der reine Konsum dieser Stoffe nicht strafbar ist, fallen die Zahlen der expliziten Verstöße gegen das eigens geschaffene NpS-Gesetz niedriger aus. Doch der Anstieg ist hier noch einmal deutlich stärker: 2025 gab es ein Plus von knapp 85 Prozent auf 273 Fälle.

Wer nimmt Designerdrogen?

«Grundsätzlich bedienen die verschiedenen Stoffgruppen der NpS völlig unterschiedliche Konsumentengruppen», erläutert das BLKA. Die NpS würden «immer häufiger als Alternative zu den klassischen Rauschgiften wahrgenommen», entsprechend hätten sich auch Marketing und Image über die letzten Jahre angepasst. Während das Angebot früher vor allem junge Menschen angesprochen habe, registrieren die Ermittler inzwischen immer mehr über 30-Jährige. 

«Insbesondere bei den synthetischen Opioiden, synthetischen Cathinonen sowie LSD-Derivaten ist zu beobachten, dass zwischenzeitlich auch Personen mittleren Alters vermehrt zu diesen Substanzen greifen», schilderte die Behördensprecherin. «Gleichwohl scheinen junge Menschen – oftmals in Ermangelung eines gereiften Risikobewusstseins – zunehmend Gefallen an hochpotenten Forschungschemikalien zu finden.»

In Zahlen: Von den 973 Tatverdächtigen, die 2025 im Freistaat wegen Verstößen im Zusammenhang mit NpS aufgefallen waren, waren 89 unter 21 Jahren. Die Alterskohorte der 30- bis 39-Jährigen war mit 330 Tatverdächtigen überrepräsentiert, selbst bei den 40- bis 49-Jährigen waren es noch 194 Personen. 856 männlichen Tatverdächtigen standen 117 weibliche gegenüber.

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