Erfurter Forscher wollen den bislang ältesten Nachweis für einen Bratwurststand gefunden haben. In einer Urkunde von 1269 sei von einer Hütte und einem Bräter an der bekannten Krämerbrücke die Rede, sagen der Projektleiter Welterbe der Thüringer Landeshauptstadt, Martin Sladeczek, und der emeritierte Historiker Karl Heinemeyer. Die Urkunde sei durch Zufall bei Nachforschungen über die Geschichte der Brücke gefunden worden. Muss die Historie der Bratwurst nun umgeschrieben werden?
Wann gab es die ersten Bratwürste?
Aus seiner Sicht ist die Sache einfach: In der Arnstädter Urkunde stehe das erste Mal das Wort Bratwurst geschrieben, alles andere funktioniere nur «über einen Dreisatz». Mit Blick auf die Entdeckung in Erfurt sagt er: «Ich halte es für sehr gewagt, daraus zu schließen, dass dort Bratwürste gebraten wurden.» Die Geschichte muss aus seiner Sicht daher auch nicht neu geschrieben werden.
Tatsächlich ist in der Urkunde, die eigentlich die Pachtrechte auf der Krämerbrücke festhalten sollte, nicht vermerkt, was dort gebraten wurde. Aber, so Sladeczek: «Wir wissen, was die Menschen im Mittelalter gegessen haben: Würste und gebratenes Fleisch.» Der Nachweis von 1404 sei ein Zufallsfund, genau wie der ihre. Bratwürste habe es vermutlich auch schon viel früher gegeben. Er betont aber auch: «Wir sind nicht angetreten, um hier den lokalpatriotischen Kampf zu führen.» Sein Interesse sei gewesen, zu erforschen, was auf der Brücke früher verkauft wurde.