An diesem Freitag gibt es wieder Zeugnisse - und wie jedes Jahr werden manche Kinder aus Angst vor der Reaktion ihrer Eltern mit hängenden Schultern nach Hause schleichen. Doch Druck ist kontraproduktiv, mahnt die pädagogische Leiterin des Kinderschutzbundes Bayern, Alexandra Schreiner-Hirsch. Sie gibt Eltern deshalb eine klare Empfehlung: «Brüllen, schimpfen, Strafen für Noten sollte man ebenso streichen wie materielle Belohnungen». Denn Geld oder Geschenke als Anreiz könnten die intrinsische, also in den Kindern selbst liegende Motivation zum Lernen zerstören.
«Auch wenn das Zeugnis sehr gut ist, geht es darum, den Fokus nicht nur auf die Leistung zu legen», erläutert Schreiner-Hirsch. Der Charakter und die Persönlichkeit eines jeden Kindes oder Jugendlichen sei einzigartig, mit all den Fähigkeiten und Talenten, mit Verantwortungsbewusstsein, Hilfsbereitschaft, emotionaler Sensibilität, Musikalität, Kreativität, Sportlichkeit oder sprachlicher Gewandtheit. «Einen Menschen macht so viel aus», betont die Expertin. «Da ist eine Note ein mini-mini-kleiner Anteil, obwohl für uns Eltern manchmal der Eindruck entsteht, die Schule ist das ganze Leben und entscheidet über das Leben meines Kindes.»