Gegen den Gründer von SOS-Kinderdorf, Hermann Gmeiner (1919-1986), liegen laut einem Untersuchungsbericht bislang 16 Verdachtsfälle von sexualisierter Gewalt vor. Die männlichen mutmaßlichen Opfer seien zur Zeit der geschilderten Missbrauchshandlungen zwischen 6 und 20 Jahre alt gewesen, berichtete eine unabhängige Kommission, die Gewalt und Missbrauch für den österreichischen Zweig der internationalen Kinderhilfsorganisation aufgearbeitet hat.
Der Österreicher Gmeiner hatte SOS-Kinderdorf nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut und wurde für seine Arbeit auch international ausgezeichnet. Die Anschuldigungen gegen ihn waren innerhalb der Organisation schon seit Jahren bekannt. Sie wurden aber erst im vergangenen Herbst nach Berichten der Wiener Zeitschrift «Falter» über mögliche Übergriffe von Kinderdorf-Mitarbeitern öffentlich gemacht. SOS-Kinderdorf Österreich hatte damals zunächst über acht mutmaßliche Opfer von Gmeiner berichtet. Seitdem haben sich acht weitere Personen gemeldet.
Fast alle der Missbrauchshandlungen sollen in SOS-Kinderdorf-Einrichtungen passiert sein. «Die Betroffenen schildern überwiegend schwere sexuelle Gewalt», hieß es in dem Bericht, der in Wien präsentiert wurde.