Der 29. April 1945 war ein Schicksalstag. Soldaten der US-Armee befreiten das Konzentrationslager Dachau, wo die Nationalsozialisten Menschen unter schlimmsten Bedingungen eingesperrt, gequält und ermordet hatten. «Ein neues Leben hat angefangen für uns, glauben wollten wir das nicht», erinnert sich Abba Naor, Überlebender des Dachauer Außenlagers Kaufering. Bei einer Feier wurde nun dieses historischen Tages vor 80 Jahren gedacht, mit Erinnerung an die Opfer und Dank an die Soldaten aus den USA - und der Mahnung, die Demokratie zu bewahren.
Leichenberge und der Hauch des Todes
Bis 1945 wurden in Dachau mit seinen 140 Außenlagern mehr als 200.000 Männer und Frauen aus über 40 Ländern eingesperrt, darunter viele politische Gegner, aber auch Jüdinnen und Juden, christliche Geistliche, Zeugen Jehovas, Roma und Sinti oder Homosexuelle. Der gescheiterte Hitler-Attentäter Georg Elser war hier inhaftiert. Mindestens 41.500 Gefangene starben - an Hunger, Krankheiten, Folter, Mord, der harten Zwangsarbeit und den Haftbedingungen.
Als die US-Armee am 29. April 1945 das Lager Dachau erreichte, bemerkten die Soldaten zunächst einen stechenden Gestank. In einem Güterzug vor den Toren lagen unzählige Leiche und dazwischen ein paar wenige entkräftete Lebende. Sie stammten aus dem KZ Buchenwald und waren gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wochenlang durch Deutschland gekarrt worden, bis sie schließlich in Dachau landeten.
«Es brach uns das Herz»
Auch im Lager selbst fanden die Soldaten Berge von Toten und rund 32.000 Häftlinge vor, völlig ausgezehrt und zum Teil kaum mehr lebensfähig. «Was wir an diesem Tag sahen, brach uns das Herz», beschrieb der US-Veteran Bud Gahs seine Emotionen. Er und die anderen Soldaten hätten in den Monaten zuvor immer wieder in unzähligen Gefechten im Kampf gegen die deutsche Wehrmacht ihr Leben riskiert. «Doch erst, als wir die Tore von Dachau öffneten, wurde uns wirklich klar, wofür wir gekämpft hatten.»