loading

Nachrichten werden geladen...

Veröffentlicht mit CMS publizer®

Was der Riesenbohrer für den Stammstreckentunnel alles kann

21 Kilometer Tunnel werden für die zweite S-Bahn-Stammstrecke durch den Münchner Untergrund getrieben. (Archivbild) / Foto: Sven Hoppe/dpa
21 Kilometer Tunnel werden für die zweite S-Bahn-Stammstrecke durch den Münchner Untergrund getrieben. (Archivbild) / Foto: Sven Hoppe/dpa

178 Meter lang und 700 Tonnen schwer: Beim Bau der zweiten Münchner S-Bahn-Stammstrecke kommen gigantische Spezialmaschinen zum Einsatz. Was sie können - und worüber die Münchner entscheiden dürfen.

Die erste der eigens gefertigten Tunnelbohrmaschinen für den Bau der zweiten Münchner S-Bahn-Stammstrecke ist fertig. «Die Spezialmaschine ist rund 178 Meter lang, etwa 700 Tonnen schwer und hat einen Durchmesser von fünf Metern», erläuterte die Deutsche Bahn (DB). Nach der für heute geplanten Übergabe durch den Hersteller im baden-württembergischen Schwanau wird das Trumm in seine Einzelteile zerlegt, in die Landeshauptstadt transportiert und dort wieder zusammengebaut.

Die Tunnelbohrmaschine wurde extra für die Bedingungen des Münchner Untergrundes entwickelt. Denn die Röhren der zweiten Stammstrecke führen in dicht bebautem Gebiet in mehr als 40 Metern Tiefe unter dem Grundwasserspiegel hindurch - teils knapp unter bereits bestehenden S- und U-Bahn-Linien.

«Maulwurf mit eigenem Betonwerk im Rucksack«

«Man kann sich die Maschine vorstellen wie einen Maulwurf mit eigenem Betonwerk im Rucksack», erläuterte DB-Projektleiter Kai Kruschinski. «Vorne frisst und schneidet sie sich mit dem rotierenden Bohrkopf durch Erde und Gestein und schickt das alles über ein Förderband nach hinten. Dort setzt die Maschine die fertigen Betonelemente, die sogenannten Tübbinge, ein. So entsteht der Tunnel direkt im Vorbeifahren, wie bei einer fahrenden Fabrik.»

Während die Maschine im Untergrund Ring für Ring den neuen Tunnel zusammensetzt und die Röhre damit auch gleich gegen Wasser abdichtet, stabilisiert sie zugleich den Boden: Im Bohrkopf wird das Erdreich mit einer Stützflüssigkeit vermischt, um den Druck im Untergrund präzise zu steuern. «So können Setzungen an der Oberfläche minimiert werden – ein entscheidender Faktor beim Tunnelbau unter dicht bebautem Stadtgebiet», schilderte die Bahn.

Acht Meter am Tag durch den Untergrund

Ab September wird die neue Tunnelbaumaschine im Einsatz sein und im Schnitt acht Meter am Tag schaffen. Die Bahn will die Münchnerinnen und Münchner entscheiden lassen, wie sie heißen soll: Ab dem Sommer können sie Vorschläge einreichen und anschließend online über ihre Favoriten abstimmen. Details dazu sollen in Kürze vorgestellt werden.

Die zweite S-Bahn-Stammstrecke in München ist eines der größten
Infrastrukturprojekte Deutschlands. Sie soll das Nadelöhr erste Stammstrecke entlasten, in der nahezu alle S-Bahn-Linien unterirdisch das Zentrum durchqueren. Dort fahren täglich 850.000 bis knapp eine Million Menschen - mehr, als bundesweit im gesamten DB-Fernverkehr unterwegs sind. Laut Bahn ist es die am dichtesten befahrene zweigleisige Eisenbahnstrecke Europas. 

Die beiden eingleisigen S-Bahn-Tunnel der neuen zweiten Stammstrecke sowie der dazwischenliegende Erkundungs- und Rettungstunnel sind jeweils sieben Kilometer lang. Insgesamt sind also 21 Kilometer Tunnel zu bauen. Insgesamt kommen dabei sechs Tunnelbohrmaschinen zum Einsatz. Der Vortrieb für den ersten Verkehrstunnel soll voraussichtlich 2028 starten - dann mit einer Maschine mit einem Durchmesser von 8,5 Metern.

Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Tags:
  • Teilen: