Auf der Straße dürften Richard Mergner wohl nur wenige Menschen erkennen. Mit seiner Nickelbrille, Jeans, Sakko, Schnauzbart und seiner Umhängetasche bevorzugte er ein unauffälliges Auftreten. Und doch war und ist der 64-Jährige einer der einflussreichsten Umweltschützer in Bayern. Mit seiner Beharrlichkeit haben Mergner und sein Bund Naturschutz (BN) die Staatsregierung immer wieder zu Kurskorrekturen gezwungen. Nun endet Mergners Zeit an der Spitze von Bayerns größtem und ältestem Natur- und Umweltschutzverband. Gezwungenermaßen. Zeit für eine Bilanz.
«Mir fällt der Abschied nach zwei Wahlperioden und über 35 Jahren Tätigkeit auf nahezu allen Ebenen im Bund Naturschutz nicht leicht», sagt Mergner. «Aber die Funktion des Landesvorsitzenden erfordert 100-prozentige Energie und hohe Präsenz, was ich derzeit nicht in der Lage bin zu leisten. Wir nutzen damit auch die Gelegenheit, einen Generationenwechsel einzuleiten.»
In Mergners Fußstapfen soll der amtierende Landesbeauftragte Martin Geilhufe treten. Der 41-Jährige ist schon lange einer der wichtigsten Köpfe im BN und steht vor einer schwierigen Aufgabe. Denn in der aktuellen politischen Debatte fristen Klima-, Umwelt- und Naturschutz kein einfaches Dasein. In Bayern wurden zudem im Zuge von Gesetzen zum Bürokratieabbau die Einflussmöglichkeiten von Verbänden massiv eingeschränkt.
Ruf nach mehr öffentlichem Druck für Umwelt- und Naturschutz
Mit Ratschlägen für die Zukunft hält Mergner sich zurück. Trotz aller Differenzen habe er immer die «Politik der ausgestreckten Hand» verfolgt - also die Strategie, mit Ministerien, Behörden und Verbänden immer im Gespräch zu bleiben und so auch das Gemeinsame zu entdecken. «Diese Strategie muss noch mehr, als wir es sowieso schon gemacht haben, begleitet werden von einem öffentlichen Druck, sei es in den Medien, mit Demonstrationen oder Klagen, um politische und gesellschaftlichen Mehrheiten zu gewinnen.»