In Bayern steigt nach Einschätzung der Energiewirtschaft das Risiko regionaler Stromausfälle. Maßgebliche Ursache ist, dass der Netzausbau sehr viel langsamer fortschreitet als der Ausbau der Solarenergie im Freistaat. Unmittelbare Folge ist, dass in Bayern erzeugter Solarstrom in beträchtlichem Umfang «abgeregelt» werden muss, also quasi für die Mülltonne produziert wird. Das geht aus Daten der Bundesnetzagentur hervor.
Schreckensszenario bislang nicht eingetreten, aber Gefahr real
«Die Gefahr der Netzüberlastung ist also Realität, wird aber bislang durch die Netzbetreiber mit geeigneten Maßnahmen verhindert», sagt Rappl. «In der Regel gelingt es durch vorausschauende Maßnahmen, komplexe Situationen wie Erzeugungsspitzen zuverlässig zu bewältigen», sagt eine Sprecherin des Netzbetreibers Tennet, der in Bayern für das Höchstpannungsnetz verantwortlich ist.
Doch die Strombranche macht sich Sorgen. Im VBEW beschäftigt sich schon seit einiger Zeit eine Arbeitsgruppe mit Szenarien, die einen unerwünschten Fall 13.2 erforderlich machen könnten.
Das letzte Mittel
Bei Zusammenkommen mehrerer ungünstiger Faktoren «kann es in Ausnahmefällen erforderlich sein, ergänzend Maßnahmen nach Paragraf 13.2 EnWG, sogenannte "kontrollierte Lastabschaltungen", zu ergreifen», erläutert die Tennet-Sprecherin in Bayreuth. «Dies kann in letzter Konsequenz auch bedeuten, dass bestimmte Netzelemente zeitlich und regional begrenzt vom Netz getrennt werden müssen.» Solche kontrollierten Lastabschaltungen seien das äußerste Mittel und würden nur dann angewendet, «wenn alle konventionellen Maßnahmen ausgeschöpft sind».
Doch was bedeutet ein Zusammenkommen «ungünstiger Faktoren»? Ein vereinfachtes Beispiel wäre das Zusammentreffen eines Engpasses im bundesweiten Übertragungsnetz mit sehr hoher Solarstromproduktion in Bayern bei gleichzeitig niedrigem Verbrauch.