Der gebeutelten deutschen Wirtschaft steht nach der neuen Konjunkturprognose des Ifo-Instituts dank hoher Staatsausgaben und des erhofften Kriegsendes im Iran eine Atempause bevor. Bis Ende des Jahrzehnts jedoch droht demnach ein neuerlicher Sturz in die Stagnation, sofern die Bundesregierung keine Reformen einleitet. Für dieses Jahr haben die Münchner Ökonomen ihre Wachstumsprognose auf 0,8 Prozent leicht angehoben. Auch im kommenden Jahr könnte das deutsche Bruttoinlandsprodukt demnach um 0,8 Prozent zulegen.
Ifo-Chef Fuest: Bei anhaltend hohen Staatsausgaben massive Steuer- und Abgabenerhöhungen zwangsläufig
Zu einem beträchtlichen Teil ist das erwartete Wachstum in diesem und im kommenden Jahr auf die schuldenfinanzierten hohen Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung zurückzuführen, wie Ifo-Chefkonjunkturforscher Timo Wollmershäuser sagte. «Dieser fiskalische Schub hat jedoch seinen Preis.» Das Institut erwartet einen Anstieg der Staatsschuldenquote von derzeit gut 63 auf 68 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Ifo-Präsident Clemens Fuest sagte: «Und wenn nichts passiert, wird das in den nächsten Jahren so weitergehen. Und das heißt zwingend, dass auch Steuern und Abgaben massiv steigen werden.» Das wiederum werde das Wirtschaftswachstum reduzieren.
Mittelfristige Aussichten düster
«Wir haben also derzeit steigende Staatsausgaben, eine stagnierende Wirtschaftsleistung und sinkende private Investitionen.» Dementsprechend gehen die beiden Wissenschaftler davon aus, dass das Potenzialwachstum der deutschen Wirtschaft bis Ende des Jahrzehnts auf «historisch niedrige 0,1 Prozent» sinken wird, wie Wollmershäuser sagte. «Das Potenzialwachstum ist im Grunde genommen nichts weiter als das durchschnittliche Wachstum unserer Volkswirtschaft.»