Baywa: Fast alle Gläubiger stimmen Verlängerung der Sanierung bis Ende 2030 zu
Der von Milliardenschulden geplagte Agrarhandels- und Mischkonzern Baywa hat fast alle seiner 268 Gläubiger von der Verlängerung der Sanierung um zwei Jahre überzeugt. Lediglich ein Kreditgeber hat dem Eckpunktepapier für den geänderten Rettungsfahrplan noch nicht zugestimmt. Das machte das Münchner Unternehmen in einer Pflichtmitteilung an die Börse publik. Der Baywa-Vorstand erwartet demnach aber eine kurzfristige Einigung auch mit diesem ungenannten Gläubiger. Das betreffende Unternehmen hat der Baywa laut ohnehin nur einen vergleichsweise geringfügigen Betrag von etwa 0,02 Prozent der ausstehenden Verbindlichkeiten geliehen. Das neue Eckpapier sieht nicht nur die Verlängerung des Sanierungszeitraums von Ende 2028 bis Ende 2030 vor. Die zwei Großaktionäre - das sind die Beteiligungsgesellschaften der bayerischen und der österreichischen Genossenschaftsbanken - sollen ihren Baywa-Anteil von zusammen gut 67 Prozent an einen Treuhänder übertragen, wie der Konzern Ende Juni mitgeteilt hatte. Nur für den Fall, dass die beiden Gesellschaften im Jahr 2029 mindestens 220 Millionen Euro für eine Kapitalerhöhung zur Verfügung stellen, sollen sie die Papiere zurückbekommen - anderenfalls darf der Treuhänder das Aktienpaket verkaufen. Die Banken wiederum wollen 700 Millionen Euro Baywa-Kredite in ein «Nachranginstrument» umwandeln. Falls auch der geplante neue Sanierungsfahrplan missglückt, würde das bedeuten, dass die Forderungen anderer Gläubiger Vorrang vor dem Anspruch der Banken auf diese 700 Millionen Euro hätten. Neu ist nun, dass auch die Abnehmer einer Baywa-Unternehmensanleihe auf einen großen Teil ihrer Ansprüche verzichten sollen. Der Baywa-Vorstand ist demnach optimistisch, die Änderung der Sanierungsvereinbarung bis Jahresende unter Dach und Fach bringen zu können. Die aus der Genossenschaftsbewegung hervorgegangene Baywa ist für Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung vor allem im Süden und Osten Deutschlands wichtig: Das 1923 gegründete Unternehmen kauft einerseits die Ernten an und beliefert die Bauern andererseits mit Saatgut, Dünger und Landmaschinen. Die Krise ist Folge einer missglückten Expansion auf den internationalen Agrarmärkten im vergangenen Jahrzehnt. Abgesehen von der Sanierung hat die Krise auch strafrechtliche Folgen: Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehrere ehemalige Vorstände, teils wegen Verdachts einer geschönten Konzernbilanz 2023, teils wegen möglicher Untreue. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenAlle sollen Opfer bringen: Großaktionäre, Banken, Anleihegläubiger
Einigung bis Jahresende erhofft