Im internationalen Lkw-Verkehr haben die Missachtung von Arbeitszeitvorschriften und Manipulationen der Kontroll- und Sicherheitssysteme nach Einschätzung von Verkehrspolizisten ein bedenkliches Ausmaß erreicht. «Wenn wir nachts kontrollieren, schlägt uns Kriminalität entgegen, die man teilweise schon als sehr organisiert betrachten muss», sagte Stefan Pfeiffer, Leiter der Verkehrspolizeiinspektion Feucht. Die Ermittler gehen davon aus, dass es in etlichen Fällen nicht einzelne schwarze Schafe unter den Fahrern sind, die manipulieren, sondern deren Arbeitgeber. Beanstandet werden demnach in vielen Fällen die Lkw ausländischer Speditionen.
Technische Expertise notwendig
Die digitalen Kontrollgeräte sind in der EU für gewerbliche Lastwagen ab 3,5 Tonnen sowie Busse vorgeschrieben, die Fahrer müssen im Besitz einer Fahrerkarte sein, die in das Kontrollgerät gesteckt wird. Gespeichert werden unter anderem Lenkzeit, Wegstrecke und Geschwindigkeit. «Wenn man die Steckerverbindung zum digitalen Kontrollgerät unterbricht, macht man aus einem Lkw einen sogenannten "Fliegenden Holländer“», sagte Pfeiffer. «Dann sind sämtliche Assistenzsysteme einschließlich der Motorregulierung bei diesem Zugfahrzeug außer Betrieb gesetzt.»
Die Polizei stößt jedoch auch auf technisch sehr viel aufwändigere Methoden der Manipulation. «Wir haben auch das Phänomen, dass der sogenannte Kitas - der Kienzle Tachographensensor - manipuliert wird», sagte Pfeiffer, der seine Erkenntnisse kürzlich auch auf dem alljährlichen Autotag der Allianz vortrug.
Der Tachographensensor nimmt die elektromagnetischen Impulse aus dem Getriebe auf und übermittelt diese an das digitale Kontrollgerät. «Der ist im Getriebe verschraubt, man muss sich also schon technisch sehr gut auskennen», sagte Pfeiffer. Diese würden von den Tätern aufgeflext, eine zweite Leitung ins Fahrerhaus gelegt, «und dann kann man per Hand das digitale Kontrollgerät ein- und ausschalten».