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Simbach: Erinnerung an die Flut lässt die Menschen nicht los

Vor fünf Jahren starben in Simbach am Inn bei einem gewaltigen Hochwasser fünf Menschen. (Archivbild) / Foto: Walter Geiring/dpa
Vor fünf Jahren starben in Simbach am Inn bei einem gewaltigen Hochwasser fünf Menschen. (Archivbild) / Foto: Walter Geiring/dpa

Bei starkem Regen bekommen viele Menschen in Simbach am Inn ein ungutes Gefühl: Dann kommen Erinnerungen hoch an die «Jahrtausendflut» vor zehn Jahren. Wie sieht es heute in der Stadt aus?

Nach Dauerregen und einem Dammbruch versinken am 1. Juni 2016 Teile der niederbayerischen Kleinstadt Simbach am Inn in einem gewaltigen Hochwasser. Fünf Menschen sterben. Die Folgen der Katastrophe sind auch nach zehn Jahren sichtbar. Und die Erinnerung lässt viele Einwohner nicht los. «Die Gefühle kochen immer wieder hoch», sagt Bürgermeister Klaus Schmid.

Simbach liegt am Inn, doch die Quelle des Unheils war der Bach, nach dem die Stadt benannt ist: der Simbach. Nachdem es über Stunden geschüttet hatte wie aus Kübeln, schwoll der Simbach stark an. Vom Wasser mitgerissene Baumstämme und Äste versperrten den Durchfluss an einer Brücke, das Wasser staute sich immer mehr. Schließlich brach ein Damm. Die Bundesstraße 12 wurde geflutet und stand dreieinhalb Meter unter Wasser.

Danach folgte, so rekapituliert die Feuerwehr, «eine bis dahin nicht vorstellbare, beispiellose Überflutung und Zerstörung der Simbacher Innenstadt». Bei mehr als 400 Gebäuden standen Keller und Erdgeschoss unter Wasser, bei einigen Häusern gar der erste Stock.

Von den Wassermassen überrascht

Hunderte Menschen wurden von den Wassermassen überrascht und hatten keine Möglichkeit mehr zur Flucht. Fünf Menschen ertranken in überfluteten Gebäuden. Hunderte Einwohner mussten mit Booten oder Hubschraubern aus teilweise akuter Lebensgefahr gerettet werden.

Als das Wasser abgeflossen war, blieben zehntausende Tonnen Schlamm und Sperrmüll zurück - und eine unter Schock stehende Bevölkerung.

Der Gedanke an das Hochwasser sei oft da, erzählt Bürgermeister Schmid. «Zum Beispiel, wenn ein Gewitter am Himmel steht.» Zu tief haben sich die Erinnerungen an die dramatischen, tödlichen Fluten vom 1. Juni 2016 bei den Menschen eingebrannt. Der Umgang damit sei eine Gratwanderung, sagt er. Denn manche wollten nicht mehr daran erinnert werden.

Zum Jahrestag jedenfalls soll es unter anderem einen Gedenkgottesdienst und eine Ausstellung geben.

Bachbett wird erweitert

Die zerstörten oder beschädigten Gebäude sind längst weitgehend hergerichtet oder abgerissen und kaputte Straßen repariert worden. Dennoch zeugt eine Großbaustelle wie eine nicht verheilte Wunde von der Katastrophe: Das Bachbett des Simbach wird seither erweitert, die von der Flut zerstörten Brücken müssen erneuert werden. 2030, so hofft der Bürgermeister, könnte die Baustelle beendet sein.

Von den Kosten entfielen bis 2025 25 Prozent auf die Stadt, ab 2026 sind es noch 20 Prozent. Bei voraussichtlich 65 Millionen Euro Gesamtinvestition sei das eine massive Belastung für die Stadtkasse, das sei es aber wert, so Schmid. «Um aus den Herzen und den Gedanken der Menschen die Angst ein bisschen zu vertreiben.» Gerade auch angesichts des Klimawandels, müsse man damit rechnen, dass wieder ein Hochwasser kommt.

Freistaat investiert in Hochwasserschutz

«Die Risiken durch extreme Wetterereignisse werden sich durch den Klimawandel noch weiter erhöhen», sagt auch Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler). «Darauf müssen wir uns auf allen Ebenen vorbereiten.» Im gesamten Freistaat liefen Maßnahmen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes.

Die Sturzflut in Simbach bedeutete dabei eine Zäsur. Das spezielle Sturzflut-Management sei ausgebaut worden. Seit 2018 wurden dem Ministerium zufolge mehr als 100 kommunale Konzepte zum Sturzflut-Risikomanagement abgeschlossen, weitere 240 Vorhaben sind in Bearbeitung.

Seit Beginn der Hochwasserschutzprogramme 2001 seien im Freistaat mehr als vier Milliarden Euro in Hochwasserschutzmaßnahmen investiert worden.

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