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Kehlsteinhaus - Das spektakuläre Teehaus Hitlers

Kehlsteinhaus - Das spektakuläre Teehaus Hitlers
Das historisch bedeutende Kehlsteinhaus wurde bei einem Brand zerstört. / Foto: --/PP Oberbayern Süd/dpa
Das Kehlsteinhaus auf einem Felssporn sollte Macht und technische Leistungsfähigkeit des NS-Regimes zeigen. Nun hat ein Brand Hitlers Teehaus mit dem atemberaubenden Bergblick zerstört.

Ein goldglänzender, mit Messing verkleideter Aufzug hinauf in die Höhe, oben ein fantastischer Ausblick auf die idyllische Bergwelt, das Haus kühn an den Felsen geklebt: Adolf Hitler wollte das Kehlsteinhaus als repräsentativen Ort, der Macht und technische Leistungsfähigkeit des NS-Regimes zeigte - ein Teehaus auf einem Felssporn, ein architektonisches Prestigeprojekt. 

Nun hat ein Feuer das historisch bedeutsame Gebäude zerstört. Ein 33 Jahre alter Mann soll den Brand gelegt haben, er wurde in eine geschlossene Psychiatrie gebracht. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und Kunstminister Markus Blume (CSU) kündigten den Wiederaufbau des Gebäudes an.

Wie entstand das Kehlsteinhaus und wie nutzte Hitler es?

Das Gebäude wurde 1937/38 auf Initiative von Martin Bormann errichtet, einem der engsten Vertrauten Adolf Hitlers. Das Haus thront auf 1.834 Metern Höhe knapp unter dem Kehlsteingipfel und war Teil des Führersperrgebiets Obersalzberg bei Berchtesgaden. 

Unten, im Berghof als Zentrum des Führersperrgebiets, wurden Propagandabilder geschaffen, die Hitler als volksnahen «Führer» inszenierten. Dort war zwischen 1933 und 1945 neben Berlin eines der wichtigsten Machtzentren der NS-Diktatur. Hitler verbrachte dort etwa ein Viertel seiner Regierungszeit, empfing Staatsgäste und plante mit seinen Vertrauten Krieg, Verfolgung und Massenmord. Heute erinnert die Dokumentation Obersalzberg, fünf Minuten vom früheren Berghof entfernt, der nun nicht mehr existiert, an diese Geschichte.

Das Kehlsteinhaus selbst war kein Ort politischer Entscheidungen. Hitler soll es nur etwa ein Dutzend Mal besucht haben. Laut Sven Keller, Leiter der Dokumentation Obersalzberg, nutzte Hitler es 1938 und 1939 stark, danach jedoch nicht mehr. Keller: «Mein Verdacht: dass sich Ausflüge in das Teehaus nicht mehr mit dem gewünschten Bild des Führers im Krieg vereinbaren ließen.» Stattdessen nutzten vor allem Menschen aus seinem engsten Umfeld das Gebäude, darunter Eva Braun. 

Der Aufzug 

Der luxuriöse Aufzug brachte Besucher über 124 Meter durch den Fels hinauf zum Teehaus. Er ist Teil des aufwendigen architektonischen Gesamtkonzepts - und eine technische Meisterleistung. Die Kabine war mindestens bis vor dem Brand weitgehend im Original erhalten. Die Ausstattung beschreibt auch der Aufzughersteller Schindler in seinem Online-Magazin «Senkrechtstarter»: polierte Messingplatten, venezianische Spiegel, mit grünem Leder bespannte ausklappbare Sitze. Sven Keller nennt den Aufzug Teil des «Überwältigungs-Gesamtensembles», zu dem auch die spektakuläre Landschaft gehörte. 

Was geschah nach 1945 mit dem Kehlsteinhaus?

Im April 1945 bombardierte die britische Royal Air Force den Obersalzberg. Viele Gebäude wurden zerstört, das Kehlsteinhaus blieb jedoch weitgehend unversehrt. Nach der Besetzung durch alliierte Truppen wurde das Gebiet zunächst von den Amerikanern als Erholungsort genutzt.

Gab es nach 1945 ein Problem mit Hitler-Verehrern?

Der Obersalzberg mit seinen Bunkeranlagen zog nach dem Ende des NS-Regimes auch Rechtsextreme und Hitler-Anhänger an. Aus Protokollen des bayerischen Ministerrats geht hervor, dass es etwa 1951 zu nicht genehmigten «wilden» Führungen über das Obersalzberg-Gelände kam. Berichtet wurde von verbalen nationalsozialistischen Entgleisungen eines Reiseleiters und von unkontrollierten Strömen auch von Andenkensammlern auf dem Obersalzberg. Um zu verhindern, dass der Ort zu einer Pilgerstätte für Nationalsozialisten wurde, ließ man 1952 die Ruinen des Berghofs und weiterer Gebäude sprengen. 

Das Kehlsteinhaus blieb jedoch erhalten. Es sollte nach einem Beschluss des Ministerrats von 1952 an die Sektion Berchtesgaden des Deutschen Alpenvereins verpachtet werden, unter der Auflage, rechtsextremen Aktivitäten und jedem «Aufleben nationalsozialistischer Propaganda» im Kehlsteingebiet entgegenzutreten. Nach Umbauten wurde das Kehlsteinhaus 1952 als Berggaststätte eröffnet und für den Tourismus zugänglich gemacht. Eine Ausstellung informierte über seine Geschichte. 

Seit 1960 wird das Kehlsteinhaus vom Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden verwaltet und von privaten Pächtern als Berggaststätte Kehlsteinhaus geführt. Seit Jahren gibt es eine vom Institut für Zeitgeschichte (IFZ) erstellte Ausstellung. Hunderttausende Besucher kamen jedes Jahr zu dem Haus. 

Wie passt die Ausstellung am Kehlsteinhaus zur Doku Obersalzberg?

Die Ausstellung im Kehlsteinhaus und die Dokumentation Obersalzberg ergänzten einander. Beide Ausstellungen wurden vom Institut für Zeitgeschichte konzipiert. Die Schau auf dem Berg erklärt die Geschichte des Teehauses. Die Dokumentation Obersalzberg widmet sich umfassender der Geschichte des NS-Machtzentrums und der nationalsozialistischen Diktatur. Sie zeigt, wie aus dem früheren Bergdorf ein abgeschirmtes Führersperrgebiet wurde und wie Hitler und sein engster Machtzirkel den Ort für Herrschaft, Propaganda und politische Entscheidungen nutzten. Teile der historischen Bunkeranlage sind dort ebenfalls zugänglich. 

Warum heißt das Kehlsteinhaus «Eagle's Nest»?

Der international bekannte Name geht vermutlich auf den französischen Botschafter André François-Poncet zurück. Bei einem Besuch im Oktober 1938 soll er das Gebäude als «Nid d'Aigle» - «Adlernest» oder «Adlerhorst» - bezeichnet haben. Die englische Übersetzung «Eagle's Nest» setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg als Bezeichnung durch. Die Nationalsozialisten selbst verwendeten diesen Namen nicht offiziell.

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