Noch bis Sonntag entscheiden die Münchner per Bürgerentscheid, ob sich ihre Stadt um Olympische Spiele bewerben soll. Im Streit über die Pläne führen sowohl Befürworter als auch Gegner die Auswirkungen der Spiele auf die Wirtschaft an. Die gezeichneten Bilder reichen von blühenden Landschaften mit neuer Infrastruktur bis zu tiefen Haushaltslöchern und steigenden Preisen. Was ist realistisch? Die dpa hat große deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute befragt, die auch an der viel beachteten regelmäßigen Gemeinschaftsdiagnose zur wirtschaftlichen Entwicklung beteiligt sind. Die Experten sehen an einigen Stellen Risiken. Ein Überblick:
Wer profitiert?
Philipp Breidenbach vom RWI Essen verweist auf lokal beschränkte Auswirkungen – vor allem bei Bars, Restaurants und Hotels. Ähnlich antwortet Wohlrabe vom Ifo, er nennt darüber hinaus aber noch Einzelhandel und Freizeitbranche, das DIW die Baubranche.
Beeinflussen Olympische Spiele den Wohnungsmarkt?
«Olympische Dörfer können langfristig Wohnraum schaffen, aber oft steigen Mieten und Immobilienpreise stark, was sozial problematisch ist», heißt es vom DIW.
Wohlrabe vom Ifo verweist auf Studien, die zeigten, dass Stadien und Infrastruktur die Immobilienpreise beeinflussten. Kurzfristig stiegen Mieten und Preise, weil die Nachfrage anziehe. Zudem würden Wohnungen dem Markt entzogen, wenn die Eigentümer sie lieber auf Plattformen wie Airbnb anböten. «Das verknappt das Angebot an Wohnraum, in Städten wie München ist das ein Problem.» In weniger gut entwickelten Gegenden könnten Spiele das Wohnraumangebot verbessern – aber auch zu Gentrifizierung und steigenden Preisen führen.
Breidenbach vom RWI betont, dass olympische Dörfer viel Fläche bräuchten, die davor nicht zur Verfügung stehe. «Die Lösung aktueller Wohnraumknappheit kann daher nicht in Olympischen Spielen liegen.» Entscheidend sei die Nachnutzung: Der Wohnraum dürfe nicht exklusiv und teuer aber auch nicht monoton sein. «Sonst entstehen soziale Brennpunkte.»