Die Profis des FC Bayern verweigerten jeglichen Kommentar, der Pressesprecher verwies einfach auf den Rivalen aus Bamberg: Das offensive Buhlen der Münchner um Erfolgstrainer Anton Gavel als Nachfolger von Svetislav Pešić hat inmitten der Finalserie für ein sportliches Beben im deutschen Basketball gesorgt.
Beim Stand von 2:1 ist Titelverteidiger Bayern gegen Alba Berlin zwar nur noch einen weiteren Sieg von der nächsten nationalen Trophäe entfernt - doch zum großen Thema rund um das 91:83 der Münchner in der Hauptstadt wurde der brisante Fall Gavel.
Stoschek: Möchte mit Basketball nichts mehr zu tun haben
Denn der Bamberger Gesellschafter Michael Stoschek hat sich am Abend - gezielt rund zwei Stunden vor Beginn des dritten Finalduells in Berlin - via «Bild» und «Hamburger Abendblatt» zu Wort gemeldet und Interna veröffentlicht. Seine beiden Botschaften: Gavel wolle Pokalsieger Bamberg Baskets sofort in Richtung München verlassen. Und: Der 41-Jährige habe bereits die Kündigung eingereicht.
Stoschek attackierte Gavel, der in der fränkischen Basketball-Hochburg zu einem sportlichen Helden geworden ist, fundamental. «Die Causa Anton Gavel berührt mich so sehr, dass ich mit dem Basketball nichts mehr zu tun haben möchte», sagte der 78-Jährige.
Vertragsauflösung wegen eines Formfehlers?
Was war passiert? Stoscheks Aussagen zufolge beruft sich der bis Sommer 2027 an Bamberg gebundene Gavel auf einen Formfehler in seinem Vertrag. «Er hat der Geschäftsführung eine Kündigung vorgelegt: Weil die digitale Unterschrift nicht schriftlich bestätigt wurde, sei sie angreifbar», berichtete der aufgebrachte Stoschek.
Die gezielt platzierten Aussagen platzten mitten hinein in die Finalserie zwischen den Münchnern und Alba. Es galt in der Branche aber als offenes Geheimnis, dass Gavel in diesem Sommer auf den scheidenden Cheftrainer Pešić (76) folgen soll.
Bayern will keine Ablöse zahlen
Dieser könnte die turbulente Spielzeit mit der verpassten Titelchance im Pokal immerhin mit einer Meisterschaft beenden. Die Münchner um Weltmeister Andreas Obst gehen am Freitagabend (20.00 Uhr/Dyn) wieder als Favorit in Spiel vier - mit einem Sieg wären sie erneut Meister. Bei einer Niederlage wartet am Sonntag ein fünftes und alles entscheidendes Finale in München.
Obwohl die Münchner längst zum Krösus der Liga aufgestiegen sind, wollen sie für Trainer Gavel dem Vernehmen nach kein Geld bezahlen. Darauf soll die Delegation um Bayern-Präsident Herbert Hainer in den Verhandlungen bestanden haben.
Stoschek war erzürnt. «Ich finde es absolut unfair, dass der größte und finanzstärkste Sportclub Europas dem kleinen Bamberg auf diese Weise den wichtigen Trainer wegnimmt», klagte der Unternehmer. Was die Bayern zu all den Vorwürfen sagen? Am Mittwochabend zunächst nichts, man fühlte sich nicht zuständig.
«Er ist der, der den Vertrag bricht»
Inhaltlich ist der Wechsel nur logisch. Die Münchner haben die Verpflichtung von Basketball-Fachmann Thorsten Leibenath von Ratiopharm Ulm als Sport-Geschäftsführer bereits im Mai verkündet. Leibenath und Gavel kennen sich aus Ulm. Das Duo versteht sich bestens und hat in Ulm gemeinsam eine völlig überraschende Meisterschaft gewonnen.
Dass Bamberg den begehrten Trainer nicht halten können würde, war den Verantwortlichen lange klar. Doch Gavels Vorstoß mit einem juristischen Winkelzug ärgert Stoschek und Geschäftsführer Philipp Höhne richtig. Es droht nun gar eine Auseinandersetzung vor Gericht.
«Er ist der, der den Vertrag bricht. Er ist der, der mit der Spitzfindigkeit kommt, die ihm zugetragen wurde, dass die digitale Unterschrift mangels Bestätigung nicht gilt, und hat uns die Kündigung vorgelegt», sagte der langjährige Geldgeber über Gavel.
Keine Schlichtung mit Hoeneß
Für den Trainer, der in Bamberg ob seiner Vita als Ex-Profi und Trainer sportlich verehrt wird, steht neben der ungeklärten Vertragslage auch der gute Ruf auf dem Spiel. Stoschek lobte zwar die Gesprächsatmosphäre mit Bayern-Präsident Hainer. «Nur in der Sache hat er sich keinen Millimeter bewegt», sagte der Franke.
Auch sein Versuch, die Sache über seinen alten Freund und Bayern-Patron Uli Hoeneß zu regeln, scheiterte demnach. Seinen Ausstieg als kausale Folge der Gavel-Thematik begründete Stoschek so: «Ich habe mein Herzblut verloren, mit dem ich über so viele Jahre den Basketball begleitet habe.»
Bamberg hat mit Trainer Gavel eine überragende Saison hinter sich - neben dem unerwarteten Pokaltitel erreichte der Außenseiter das Halbfinale der Playoffs und schied erst nach fünf Spielen gegen Alba Berlin aus. Deshalb fordern die Hauptstädter nun den FC Bayern heraus. Doch das geriet in den vergangenen Stunden ziemlich zur Nebensache.
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