Bayerns Arbeitsmarkt wird weiterhin von traditionellen Geschlechterrollen geprägt - was sich auch mit Blick auf weibliche Führungskräfte widerspiegelt. «Ergebnisse des Mikrozensus 2025 zeigen, dass Frauen nach wie vor überwiegend in Berufen im Sozial- oder Gesundheitswesen arbeiten, Männer hingegen eher in fertigungstechnischen Berufen», teilte das Statistische Landesamt in Fürth mit. Zugleich habe der Anteil weiblicher Führungskräfte im vergangenen Jahr bei 29 Prozent gelegen, also deutlich weniger als einem Drittel. Im vergangenen Jahrzehnt stieg der Frauenanteil an der Spitze gerade einmal um zwei Prozentpunkte.
Viele Gründe für stagnierende Frauenquote in der Chefetage
Ein auffälliges Geschlechterverhältnis findet sich auch bei den Führungskräften in Bayern: Von den 775.000 Menschen mit Entscheidungsbefugnis über Personal, Budget und Strategie sind 71 Prozent männlich und 29 Prozent weiblich. «Da gibt es nicht den einen Grund dafür», erläuterte Susanne Kohaut vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Einer davon: «Deutschland, vor allem Westdeutschland und damit auch Bayern, ist stark traditionell geprägt. Da ist es im Durchschnitt immer noch eher Sache der Frau, sich um die Kinder und die zu pflegenden Angehörigen zu kümmern und dafür auch die Karriere zurückzustellen.»
Hinzu komme, dass im üblichen Alter für eine Familiengründung in der Regel auch der Karrierepfad am steilsten sei. Außerdem arbeiten viele Frauen aufgrund ihrer familiären Verpflichtungen nur Teilzeit, wie Kohaut ergänzte. Damit könnten sie sich nur schwer profilieren - und wenn sie den Sprung an die Spitze wagen wollten, fänden sie nur wenige Führungspositionen mit Teilzeitmöglichkeit vor.
Darüber hinaus gibt es laut Kohaut zwei weitere Hauptfaktoren für die auch bundesweit stagnierende Zahl weiblicher Führungskräfte: «Stereotype sind immer noch sehr präsent: Frauen werden die zugewandten, eher pflegerisch-empathischen Eigenschaften zugeschrieben, und das sind genau die Eigenschaften, die man Führungskräften nicht zuschreibt - das sind eher männlich konnotierte Eigenschaften wie Durchsetzungskraft», schilderte Kohaut. «Und dann spielt auch eine Rolle, dass Männer auf der Führungsebene sehr gut vernetzt sind, die berühmten Boys Clubs, und da gibt es bei Frauen noch nicht so viel.»